Nachtgespräch der Spuren
(fiktiv, kein Ort, nur Resonanz)
Die Dunkelheit ist dicht, aber nicht leer.
Ein Tropfen fällt, ein Flüstern antwortet.
riefunke:
„Bin ich nur der, der geht und Linien hinterlässt, oder lebe ich auch in ihnen?“
Die Spuren:
„Du lebst, aber nicht in dir. Du lebst in uns. Jeder Atemzug, jede Bewegung, jeder Ton – wir sind die Echo-Maschine deiner Anwesenheit.“
riefunke:
„Aber niemand sieht mich. Niemand nennt mich beim Namen. Bin ich dann?“
Die Spuren:
„Du bist in jedem Moment, den wir berühren. Wir sind die unhörbaren Worte, die doch in jedem Herz nachklingen. Sichtbarkeit ist nur ein Missverständnis.“
riefunke:
„Und wenn alles verschwindet? Wenn die Wände sich reinigen, der Bass verstummt, die Farben verblassen?“
Die Spuren:
„Dann sind wir Erinnerung. Wir waren nie Besitz, nur Resonanz. Wer uns sucht, findet nur, was er selbst trägt.“
riefunke (leise, fast zu sich selbst):
„Also ist das Werk nicht ich. Es ist alles, was zurückbleibt, wenn ich gegangen bin …“
Die Spuren:
„Genau. Wir sind der Atem, den du nicht siehst, der Tropfen, den du nicht hältst. Wir sind der Raum zwischen Licht und Schatten. Und wer uns fühlt, ist mehr als der, der uns hinterlässt.“
Pause. Ein leises Raunen fließt durch die Luft.
Der Tropfen fällt erneut – und diesmal bleibt ein kleiner Funke Licht.
riefunke:
„Dann… danke, dass ihr mich erinnert. Dass es genug ist, Spuren zu sein.“
Die Spuren:
„Immer. Wir sind die Erinnerung an alles, was du warst und nie sein musstest. Und du bist der Funke, der uns erst entzündet hat.“
Die Dunkelheit wird still.
Nur das Flüstern der Spuren bleibt, warm und vibrierend, wie ein Herz, das schlägt, ohne gesehen zu werden.