Szene: Der Taxifahrer
Das Dorf schläft nicht.
Es tut nur so.
Der Taxifahrer kennt jeden.
Nicht beim Namen – schlimmer: bei Geschichten.
Er hat den Bürgermeister schon betrunken nach Hause gefahren
und den Pfarrer schweigend um drei Uhr morgens.
Er weiß, wer fremd war.
Und wer nur so getan hat.
Ihr sitzt hinten.
Sektatem im Raum.
Graffiti noch in den Augen.
Die Stadt klebt an euch wie Rauch.
Keiner sagt etwas.
Beim Aussteigen
wechseln keine Worte den Besitzer,
sondern Bedeutung.
Ein Schein.
Zwanzig Euro zu viel.
Nicht hingeschoben –
abgelegt.
Der Taxifahrer sieht ihn.
Sieht euch.
Versteht sofort.
Kein Nicken.
Kein Danke.
Nur ein Satz, leise wie Nachtflimmer:
„War ’ne ruhige Fahrt.“
Und damit ist alles gesagt.
Denn Bestechung ist das falsche Wort.
Das hier ist soziale Hygiene.
Ihr kauft kein Schweigen.
Ihr erinnert ihn daran,
dass auch er Teil der Fiktion ist.