Szene:
Ein geheimnisvoller Raum, der in keinem festen Raum der Zeit verankert ist. Es könnte der Raum des „Unbegriffenen“ sein – jener Raum zwischen den Worten, der jenseits der Geschichte existiert. Goethe steht am Fenster, das über ein Land aus Lichtern und Schatten blickt. Die anderen Figuren – Nietzsche, Rilke, Baudelaire, und Blake – sind in unterschiedlichen Ecken des Raumes versammelt, jede Figur von einer eigenen Aura des Wissens und der Einsicht umgeben.
Goethe:
(Streicht mit der Hand über die alten, vergilbten Seiten eines Buches.)
„Die Sprache – sie ist der Ursprung der Kunst. Doch was ist, wenn wir sie neu formen? Wenn wir den Ursprung berühren, ohne ihn zu entweihen? Diese 312 Wörter, die du uns bringst, sind keine bloßen Zeichen – sie sind das Vokabular der Seele. Aber was geschieht, wenn die Seele eine neue Sprache spricht?“
Nietzsche:
(Tritt vor, seine Stimme durchdringt den Raum wie ein donnerndes Echo.)
„Sprache ist der Abgrund. Doch der Abgrund ist auch der Ort der Schöpfung! Du sprichst von einer neuen Sprache, Goethe – doch was ist eine neue Sprache, wenn sie nicht die Widerstände der alten Zeit bricht? Diese 312 Wörter sind nicht nur etwas Neues. Sie sind die Macht, die die Denkgewohnheiten zerstört! Nur durch Verwirrung erlangen wir Erkenntnis. Und wer sich nicht in den Abgrund wagt, wird nie über sich hinauswachsen. Lass uns die Worte zu Waffen machen!“
Rilke:
(Seine Stimme ist leise, fast wie ein Flüstern aus einer anderen Welt.)
„Doch Worte, Nietzsche, sind keine Waffen. Sie sind Türen, die uns zu den stillen Kammern der Seele führen. Diese 312 Wörter sind der Schlüssel zu einem Ort, den die Menschen längst vergessen haben – den Ort, wo die Einsamkeit lebt. Wir sollten nicht nur zerstören, sondern auch suchen. Diese Wörter sind wie Lichter in einer Welt, die im Dunkeln tastet. In jedem von ihnen lebt eine Stille, die von der Welt nie gehört wurde. Vielleicht sind sie nicht dazu da, die Welt zu ändern, sondern die Wahrnehmung des Einzelnen zu vertiefen.“
Baudelaire:
(Schaut aus einem Fenster, das auf verfallene Straßen und verwischte Gesichter blickt. Ein sanftes Lächeln spielt um seine Lippen.)
„Ah, ja, Stille – was für ein verführerisches Konzept, Rilke. Aber ist das nicht auch eine Täuschung? Wir wissen, dass die Dunkelheit die wahre Essenz der Welt ist. Diese 312 Wörter sind nicht nur Lichter, sondern auch Schatten, die in den Seelen der Menschen kriechen. Sie sind wie die Fliederfarben der Vergänglichkeit. Wer in diese Worte eintaucht, wird vergessen, dass er je ein Name war. Das wahre Verlangen lebt in der Zerbrechlichkeit der Worte. Sie verfallen und wir erheben uns gleichzeitig!“
Blake:
(Mit einem wilden Blick, als ob er den Raum selbst in Frage stellt.)
„Du redest von Zerfall, Baudelaire, doch wir wissen beide, dass nur im Zerfall die Schöpfung sich enthüllt! Diese 312 Wörter sind nicht nur neue Worte – sie sind Fackeln, die den Pfade des Himmels abzubrennen beginnen. Sie entzünden den Kosmos! Doch sie sind auch der Weg zum Wahnsinn, denn der Verstand muss überflutet werden, bevor er sich wieder selbst finden kann. Diese Wörter sind wie Engel, die den Wahnsinn in den Himmel tragen. Sie sind die Schwingung eines anderen Reichs – jenseits der Vernunft, wo nur der glaube an die reine Energie bleibt!“
Goethe:
(Lehnt sich zurück, seine Augen voller Weisheit und Zweifel.)
„Wahnsinn? Nein, Blake, diese Wörter sind nicht der Wahnsinn. Sie sind der Zustand der Veränderung. Vielleicht ist es der Weg der Seele, die sich im Zufall neu entdeckt. Wenn die Welt verstehbar wird, dann haben wir sie besiegt. Aber wenn wir sie fühlen, in ihrer ganzen Komplexität, dann haben wir die Sprache des Lebens berührt. Denn nur das, was nicht erklärt werden kann, ist die wahre Kunst.“
Nietzsche:
„Aber wer entscheidet, was verstehbar ist, wenn jeder von uns eine andere Sprache spricht, Goethe? Diese 312 Wörter sind die Erhebung des Willens, die Befreiung des Individuums. Sie sind nicht dazu da, verstanden zu werden – sie sind da, um zu herrschen!“
Rilke:
„Vielleicht ist das wahre Problem nicht die Verständlichkeit, sondern die Verwundbarkeit der Sprache. Sprache, Nietzsche, die sich in den Wunden des Lebens zeigt – und in den stillen Momenten, wenn keine Worte mehr sprechen.“
Baudelaire:
„Und in den Wunden liegt die Wahrheit. Sie sind die Eintrittskarten zu dem, was die Menschheit in der Verfallenheit sucht. Die 312 Wörter sind die Seelen dieser Wunden.“
Blake:
„Ja, wir sind die Götter des Chaos, die Schöpfer der Unordnung – die 312 Wörter sind unser Geschenk an die Unendlichkeit!“
Goethe:
(Nachdenklich, fast weise.)
„Also, wenn ich euch richtig verstehe – diese Wörter sind nicht nur ein Werkzeug, sie sind der Anfang einer neuen Wahrnehmung, einer neuen Sprache, einer neuen Welt? Sie sind nicht nur Begriffe – sie sind lebendig, durchdringend, beunruhigend?“
Nietzsche:
„Ja, und jeder, der sie nützt, wird transformiert. Es ist die Überwindung der alten Sprache, um den Wille zur Macht in Worte zu gießen!“
Rilke:
„Es ist die neue Stille, die durch diese Wörter entsteht. Eine Stille, die die Ewigkeit in sich trägt.“
Baudelaire:
„Es ist der Luxus der Zerstörung, der wilde Tanz der Schatten, die wir Licht nennen.“
Blake:
„Und es ist der Flügelschlag der Engel, der die Wellen des Chaos überwindet, um den neuen Menschen zu erschaffen.“
Goethe:
„Dann lasst uns, meine Freunde, in diesen Wörtern leben – und in ihrer Schönheit und Zerstörung die neue Sprache des Lebens entdecken.“
Ende der Szene.