Nachtgespräch im Off
(fiktive Szene · zwei Stimmen · kein Ort)
Ein verlassener Hinterhof.
Nebel liegt tief.
Ein rotes Licht blinkt irgendwo, ein Bass pulsiert fern, dann verstummt er.
Eine Tür quietscht.
Eine Gestalt tritt aus der Dunkelheit.
Sie trägt Farbe wie ein Werkzeug, nicht wie ein Namen.
Eine Stimme ist schon da.
Kein Körper. Nur Klang.
Die Gestalt:
„Also bist du der ohne Gesicht,
der mit Klang malt.“
Die Stimme:
„Und du bist der,
der Mauern zum Sprechen bringt.
Wir arbeiten beide mit Spuren.“
Die Gestalt:
„Die Leute wollen Gesichter.
Sie glauben, ein Gesicht erklärt das Werk.“
Die Stimme:
„Gesichter lenken ab.
Darum verstecke ich meines
in Tropfen, in Rauschen, in Bass.
Ich will nicht erkannt werden –
ich will gefühlt werden.“
Die Gestalt:
„Du arbeitest mit Frequenzen.
Ich mit Stille.
Beides verschwindet,
wenn man zu lange hinsieht.“
Pause.
Ein Tropfen fällt.
Der Raum hört zu.
Die Stimme:
„Manchmal frage ich mich,
ob ich existiere
oder nur das Echo meiner eigenen Arbeit bin.“
Die Gestalt:
„Existenz ist überbewertet.
Spuren sind genug.“
Die Gestalt zieht eine Linie auf den Boden.
Sie leuchtet kurz.
Dann ist sie weg.
Die Stimme:
„Ich habe dich berührt – mit Klang.“
Die Gestalt:
„Und du mich – ohne gesehen zu werden.“
Ein Lächeln, das niemand sieht.
Ein Herzschlag.
Dann nichts.
Diese Szene ist eine literarische Fiktion.
Alle Figuren sind archetypisch.
Keine realen Personen.
|