ANDREA / TREPPE / RÜCKWÄRTS
Andrea dreht nur minimal.
0,3 Sekunden zurück.
Genug.
Die Luft wird dick.
Staubpartikel bleiben stehen wie eingefrorene Sterne.
Der Herzschlag hängt zwischen zwei Schlägen.
Sie setzt den Fuß auf die Treppe.
Und sieht sich.
Nicht als Spiegel.
Nicht als Erinnerung.
Sondern als Körper mit Gewicht.
Mit Atem.
Mit derselben Falte zwischen den Augenbrauen.
Die andere Andrea steigt nach oben.
Langsam.
Zu langsam.
Jede Bewegung zieht Fäden durch die Welt.
Knochen knirschen wie altes Holz.
Zeit wird zäh wie Honig im Winter.
Die Treppe beginnt zu schmerzen.
Andrea 1 hebt die Hand.
Andrea 2 hebt sie auch.
Millimeter für Millimeter.
Die Sekunden dehnen sich so weit,
dass sie anfangen zu frieren.
In den Gelenken sammelt sich Vergangenheit.
In den Knien knackt Zukunft.
Die Welt wird rheumatisch.
Chronisch.
Unbrauchbar für Marschmusik.
„Wir hätten das nicht tun sollen“,
sagt eine von beiden.
„Doch“,
sagt die andere.
„Jetzt wissen wir, wie Stillstand schmeckt.“
Dann ein Ruck.
Die Zeit schnappt zurück.
Die Treppe ist wieder nur Treppe.
Aber irgendwo im Körper bleibt es.
Ein leises Ziehen.
Eine Erinnerung an eingefrorene Sekunden.
Seitdem weiß Andrea:
Zeit verzeiht Experimente.
Aber sie hinterlässt Spuren im Gewebe.
Und wer ihr einmal begegnet ist,
wird nie wieder im Gleichschritt gehen.