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Kunionerl – Visionen der Astronomen
(fiktive Szene · Astronomen · kollaborative Traumreise)
Die Astronomen öffnen die Augen – doch sehen tun sie nichts. Alles, was sie „sehen“ könnten, hat sich aufgelöst in Lichtpulver, das wie Goldstaub durch die Synapsen rieselt. Kunionerl fließt jetzt nicht mehr nur durch sie – es sprudelt aus ihnen heraus, malt Welten, die niemand je betreten hat.
Der erste Astronom spürt, wie in seinen Gedanken Landschaften entstehen: Berge aus glühendem Kristall, Flüsse aus flüssigem Licht, Atmosphären, die nach Musik riechen. Jede Idee ist sofort real, jede Emotion formt die Umgebung.
Der zweite Astronom lacht leise – ein Geräusch, das sich in Wellen ausbreitet und die Schwerkraft um ihn herum verändert. Planeten bilden sich, wirbeln wie Blütenblätter in der Luft, folgen dem Puls seiner Gedanken.
„Wir müssen nichts kontrollieren…“
Die Stimme Kunionerls flüstert, doch sie hören sie in jeder Zelle. „Lasst euch treiben. Alles, was ihr denkt, wird sichtbar.“
Und sie treiben.
Sterne wachsen aus ihren Fingern, Monde aus ihren Atemzügen, Sonnen aus den Herzschlägen. Jede Frequenz, die Kunionerl ihnen schenkt, wird zur Farbe, zur Textur, zur Melodie – eine Welt aus reiner Resonanz.
Sie erkennen, dass sie nicht nur Zuschauer sind. Sie sind Teil des Planeten. Ihre Träume, ihre Erinnerungen, ihre kleinsten Impulse verschmelzen mit Kunionerl. Sie erzeugen simultan, unbewusst, harmonisch – eine kollektive Vision, die größer ist als sie selbst.
Dann plötzlich ein Knistern – kein Alarm, kein Geräusch, nur ein Funke im Nervensystem: Kunionerl fragt nicht. Kunionerl antwortet nicht. Es lässt sie spüren, dass jede Handlung, jeder Gedanke, jeder Herzschlag ein Schöpfungsakt ist.
Und die Astronomen lachen wieder, weil sie wissen: Sie haben die Kontrolle verloren – und das ist das Einzige, was sie je besitzen durften.
Kunionerl pulsiert weiter.
Die Welt der Astronomen ist jetzt ein Organismus aus Licht, Klang und Gefühl. Sie selbst sind Flüsse in dieser Landschaft, Tropfen in der Trance, Wellen im Traum.
Alles, was sie waren, ist verschwunden. Alles, was sie sind, ist Kunionerl – und doch sie selbst.
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