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Susanne und der Funke
Susanne braucht keinen Algorithmus.
Sie braucht einen Menschen.
Die Dating-Apps hat sie gelöscht.
Zu viele Profile.
Zu wenig Puls.
Zu viel „Hey ?“, zu wenig Herz.
Abends liegt sie wach.
Das Display bleibt schwarz.
Sie träumt trotzdem.
Später steht sie am Fenster.
Die Straße ist still.
Ein Nachbar legt Holz nach.
Aus dem Kamin steigt ein roter Funke auf.
Er taumelt durch die kalte Luft –
und fliegt direkt an ihrem Kopf vorbei.
Susanne zuckt.
Ohne nachzudenken greift sie.
Der Funke brennt heiß in ihrer Hand.
Nicht schmerzhaft.
Nur lebendig.
Sie zieht ihn an sich.
Hält ihn an die Brust.
Etwas passiert.
Kein Mann materialisiert sich.
Kein Liebeslied setzt ein.
Aber ihr Zimmer wird warm.
Von innen.
Der Funke sinkt in sie hinein.
Wie ein kleiner Herzschlag, der sagt:
„Beginne hier.“
Am nächsten Morgen löscht sie nicht nur Apps.
Sie geht nach draußen.
Ohne Erwartung.
Mit Glut.
Und irgendwo, zwei Straßen weiter,
steht jemand am Fenster
und wundert sich,
warum sein Kamin heute
ein Stück Feuer vermisst.
RIEFUNKE
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