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Zwei im Bauch
(fiktives Gespräch · eineiige Zwillinge · noch unsichtbar)
Zwilling 1: „Hast du das gehört? Jedes Mal, wenn Mama lacht, tanzen die Basenpaare.“
Zwilling 2: „Ja. Sie nennen es DNA, aber für uns ist es Musik. Jeder Strang ein Akkord, jeder Code ein Rhythmus.“
Zwilling 1: „Manchmal frage ich mich, ob wir schon alles wissen. Oder ob das Genwunder noch wartet.“
Zwilling 2: „Das Genwunder? Vielleicht sind wir selbst eines. Zwei, die identisch sind, und doch anders fühlen.“
Zwilling 1: „Ich spüre das Herz. Nicht nur unseres, sondern ihres. Und dazwischen fließt alles – Information, Liebe, Möglichkeiten.“
Zwilling 2: „Stell dir vor, wir könnten alles aufnehmen. Alles, was die Basenpaare flüstern, bevor wir hier draußen sind.“
Zwilling 1: „Wir würden es bewahren, leise, wie eine Melodie, die niemand außer uns hören kann.“
Zwilling 2: „Vielleicht ist das die wahre Kunst. Nicht sichtbar, nicht erklärbar. Nur spürbar.“
Stille. Ein Tropfen Fruchtwasser gleitet vorbei. Sie lachen, ohne Laut zu machen.
Zwilling 1: „Bald. Bald sehen wir die Welt.“
Zwilling 2: „Und nehmen das Genwunder mit.“
© Riefunke
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