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Erste Begegnung – Planet Kunionerl
(fiktive Szene · Astronom · kein Ort auf der Erde)
Der Astronom liegt zurückgelehnt, das Teleskop auf den Horizont gerichtet, als etwas Unfassbares aufblitzt. Ein Planet, leuchtend, flüssig in Farben, die das Gehirn nicht kennt. Kunionerl.
Sein Herzschlag stockt. Die Luft um ihn herum wird dichter, schmeckt nach alten Sternen und Regen, der noch nicht gefallen ist.
Er blinzelt – und alles verlangsamt sich. Sekunden dehnen sich zu Minuten, Atemzüge zu Vibrationen. Kunionerl flüstert. Kein Ton, nur Wirkung. Die Gedanken des Astronomen beginnen zu taumeln, als würden sie durch einen Spiegel gezogen, der niemals gerade ist.
„Was…?“
Sein Mund öffnet sich. Keine Stimme kommt heraus. Nur eine Resonanz in der Brust, die ihm fremd und vertraut zugleich ist.
Ein Schweben – keine Gravitation, kein Boden. Nur Farben, die sich wie Wasser um seine Pupillen wickeln, und Licht, das sich wie Honig in sein Bewusstsein gießt.
Dann eine Präsenz: Kunionerl selbst, nicht sichtbar, nur fühlbar. Es streichelt den Astronomen mit Gedanken, zieht ihn sanft in eine Welt, in der Zeit ein Kreis ist, der sich immer wieder aufrollt, und Raum eine Welle, die niemals bricht.
Der Astronom merkt, dass er nicht länger ein Beobachter ist. Er ist Teil. Jede Zelle pulsiert im Rhythmus des Planeten. Jeder Herzschlag ist ein Signal, jeder Atemzug ein Mikro-Kosmos.
Dann – ein Tropfen aus Licht. Kaum mehr als ein Hauch. Und der Astronom nickt.
Er versteht nichts. Und doch ist alles klar.
Kunionerl verschwindet aus der Sicht – doch nicht aus der Wahrnehmung.
Die Welt kehrt zurück, leiser, langsamer, hypnotisiert. Und irgendwo im Hinterkopf bleibt die Gewissheit: „Nie wieder werde ich nur Himmel sehen. Nur noch Kunionerl.“
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