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Andrea und die Zeit
Andrea ist Wissenschaftlerin.
Aber nicht irgendeine.
Sie kann die Zeit verlangsamen.
Sie kann sie anhalten.
Sie kann sie sogar rückwärts laufen lassen.
Eines Tages, als sie die Zeit einen winzigen Schritt zurückdrehte, passierte etwas, das keiner berechnet hatte.
Sie kam sich selbst auf der Treppe entgegen.
Ein Spiegelbild in Bewegung, ein Echo, das atmete, das zögerte, das lachte – und trotzdem sie war.
Andrea hielt inne.
Ihre andere Version hielt ebenfalls inne.
Die Zeit blieb stehen.
Der Raum flüsterte.
Die Sekunden tasteten umher.
„Verdammt“, sagte Andrea zu Andrea.
„Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht.“
Dann verschmolzen die beiden Wege wieder, die Treppe lief weiter, die Uhr tickte, aber etwas war anders:
Ein Augenblick, unberechenbar, unvergänglich.
Eine Begegnung, die keine Karte der Physik erklären konnte.
Und Andrea lächelte – als wüsste sie plötzlich, dass Zeit nur ein Spiel ist, das man vorsichtig und mit Mut spielt.
© RIEFUNKE
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