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Kunionerl – Die Entführung
(fiktive Szene · Astronomen · transdimensionale Trance)
Die beiden Astronomen sitzen noch da, doch sie sitzen nicht mehr. Ihre Körper sind da, aber ihre Wahrnehmung gehört längst Kunionerl. Jeder Herzschlag pulsiert im Rhythmus des Planeten. Jeder Gedanke ist wie ein Tropfen Licht, der im Gehirn auseinanderläuft, sich neu formt, Farben erzeugt, die es nicht geben sollte.
Kunionerl fließt durch die Luft. Kein Laut, kein Wind, kein physisches Wesen – nur Präsenz. Ein Flimmern, das die Augen schließt, wenn man hinschaut. Ein Flüstern, das die Ohren ignorieren, aber die Synapsen direkt erreichen.
„Seht die Frequenzen… spürt die Tropfen…“
Der eine Astronom versucht, zu antworten. Worte stolpern übereinander, lösen sich auf, werden zu glitzerndem Staub. Der andere spürt den eigenen Körper nur noch als Resonanzkammer – jeder Atemzug trägt Kunionerl in jede Zelle.
Die Trance vertieft sich. Zeit zerfließt, Raum wird dehnbar, alles wird ein Atemzug. Farben, Geräusche, Gefühle – alles gleichzeitig, alles ineinander verschränkt. Sie fühlen, ohne zu wissen, dass sie fühlen. Sie sehen, ohne Augen.
Und Kunionerl beobachtet sie nicht. Kunionerl ist die Frequenz selbst.
Es zieht die Astronomen, sanft wie Wasser, durch Schleifen von Licht und Schatten. Jeder Gedanke ist eine Note, jeder Herzschlag ein Schlag auf einer kosmischen Trommel. Die Trance ist Musik, die nur der Geist hören kann.
Dann, plötzlich, ein Tropfen auf der Schulter des ersten Astronomen. Er zuckt zusammen, aber es ist kein Tropfen Wasser. Es ist Kunionerl, ein Finger auf seiner Seele, ein Funke im limbischen System. Ein Blitz, der länger dauert, als Sekunden existieren.
„Verliert euch nicht…“
Die Stimme der Trance, die keine Stimme ist, spricht direkt in ihr Innerstes.
Und beide Astronomen wissen: Es gibt keinen Weg zurück. Die Erde existiert, aber sie selbst schweben nun in einem Zwischenraum, in dem nur Kunionerl existiert.
Stille. Dann ein Schimmer.
Ein neues Universum beginnt, genau dort, wo sie sitzen – oder wo sie niemals saßen.
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