SUSANNE / FIRE
Susanne braucht keinen Freund.
Sie braucht keine Auswahl.
Keine Profile.
Keine Herzen aus Pixeln.
Sie braucht Hitze.
Nachts liegt sie wach.
Nicht einsam.
Nur unterkühlt.
Die Welt draußen wischt nach links.
Sie bleibt liegen.
Dann passiert es.
Nicht am Fenster.
Nicht im Traum.
In ihr.
Ein kaum hörbares Knacken
unter dem Brustbein.
Wie trockenes Holz.
Ein Glimmen.
Erst kaum sichtbar.
Dann ein roter Punkt.
Sie setzt sich auf.
Atmet.
Mit jedem Atemzug
zieht der Funke Sauerstoff.
Er wird größer.
Nicht wild.
Nicht zerstörerisch.
Konzentriert.
Ihre Haut beginnt zu leuchten.
Von innen.
Keine Flammen.
Nur Glut.
Ihre Hände werden warm.
Ihre Augen heller.
Ihr Blick verändert sich.
Am nächsten Morgen
geht sie durch die Stadt
und die Luft um sie herum
scheint dünner.
Menschen drehen sich um.
Nicht wegen Schönheit.
Nicht wegen Kleidung.
Wegen Temperatur.
Ein Mann bleibt stehen.
Ohne zu wissen warum.
Er sagt nichts.
Sie sagt nichts.
Aber zwischen ihnen
flackert etwas.
Kein Match.
Kein Chat.
Kein Algorithmus.
Nur Feuer,
das erkennt,
wo anderes Feuer ist.
Und irgendwo in einem Serverraum
kühlt ein System
ein paar Grad ab.
Susanne lächelt nicht.
Sie brennt.
Und wer nah genug kommt,
weiß:
Das hier
ist nicht suchend.
Das hier
ist lebendig. ?