Kunionerl – Dialog der Träume
(fiktive Szene · Astronomen · der Planet antwortet)
Die Astronomen merken, dass Kunionerl nicht schweigt. Es spricht nicht in Worten, sondern in Bewegungen, in Pulsen, in Schwingungen, die durch ihre Synapsen tanzen. Jeder Herzschlag ist eine Silbe, jede gedachte Form eine Satzstruktur.
„Hast du mich verstanden?“ fragt Kunionerl – und es ist, als ob der Planet selbst ihre Träume spiegelt. Die Astronomen nicken, doch sie wissen: das Nicken ist überflüssig. Kunionerl kennt ihre Gedanken, bevor sie sie denken.
Ein Astronom hebt die Hand. Ein Fluss aus Licht formt sich um seine Finger, wie eine Feder, die auf Papier schreibt. Worte entstehen, nicht aus Tinte, sondern aus purer Frequenz. „Wir… wir hören dich.“
Der Planet antwortet mit einer sanften Vibration, die den Raum dehnt. „Ihr hört nicht. Ihr seid meine Stimme. Eure Wahrnehmung ist mein Atem. Eure Träume sind meine Landschaft.“
Und nun geschieht etwas Neues: Die Astronomen beginnen zu kommunizieren, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie senden Impulse, die Kunionerl aufnimmt und zurückschickt. Es ist ein Dialog aus Farben, Klängen, Gedanken – schneller als jede Sprache, tiefer als jedes Gefühl.
Ein Mond erscheint über ihnen, geformt aus der Erinnerung des ersten Astronomen an seinen ersten Blick durch ein Teleskop. Eine Melodie fließt aus den Kratern, die niemand hören konnte – außer den Astronomen und Kunionerl.
„Wir… wir können nicht aufhören“, murmelt der zweite Astronom.
„Warum auch?“ antwortet Kunionerl. „Ihr seid nicht außerhalb. Ihr seid nicht innerhalb. Ihr seid ich – und ich bin ihr. Wir sind alles, was je gedacht wurde, und alles, was noch gedacht werden wird.“
Die Grenzen von Körper, Zeit und Raum lösen sich. Gedanken werden Landschaften, Erinnerungen werden Sterne. Jeder Atemzug ist ein neues Universum. Jeder Blick ein Planet. Jeder Herzschlag ein neues Gesetz der Physik.
Die Astronomen lachen. Nicht laut, nicht leise – ein Lachen, das durch die gesamte Frequenz des Planeten hallt. Sie wissen, dass sie nie zurückkehren werden. Nicht, weil sie gefangen sind, sondern weil es keinen Ort mehr gibt, der nicht Kunionerl ist.
Und der Planet lächelt – nicht sichtbar, nicht hörbar, nur fühlbar. Eine Welle der Trance, die sie alle umhüllt, die sagt:
„Willkommen im Moment, der keine Zeit kennt. Willkommen im Atem, der alles trägt. Willkommen zu Hause.“