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Kunionerl – Anruf aus der Trance
(fiktive Szene · Astronom · keine Erde)
Der Astronom liegt zurückgelehnt, die Finger zittern über dem alten Funkgerät. Alles um ihn ist flüssig, als hätte Kunionerl die Wände, den Boden, sogar die Luft in Honig verwandelt. Jeder Atemzug schmeckt nach Licht, jeder Herzschlag schwingt in Farben, die das Gehirn nicht entschlüsseln kann.
Er wählt die Nummer seines Kollegen. Die Finger sind schwer, langsam, fast fremd. Als das Freizeichen erklingt, ist es nicht mehr Ton – es ist Schwingung, die direkt in den Schädel fließt.
„Hallo…“ – seine Stimme klingt weit weg, fremd und zugleich vertraut.
„Hörst du mich?“
Die Stimme seines Kollegen kommt wie aus Wasser, gedehnt, verschoben, als hätte die Zeit ihre Regeln vergessen.
„K…Kunionerl…“ flüstert der Astronom.
„Was…?“ antwortet der Kollege, doch Worte zerfallen zu Schimmern und Tropfen.
Der Planet wirkt durch die Leitung. Gedanken winden sich wie Rauch, Bilder pulsieren im Gehirn des Astronomen, die Realität löst sich auf. Jeder Satz, jede Silbe ist ein Tropfen, der direkt ins limbische System sinkt.
Der Kollege spürt es sofort: Schwindel. Hypnose. Ein Rufen, das kein Rufen ist. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. Alles außerhalb der Stimme ist Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart – alles gleichzeitig.
„Wir… wir müssen…“ stottert der Astronom, doch die Worte sind nur noch Wellen.
Kunionerl lächelt durch die Verbindung. Kein Gesicht, nur Präsenz. Jede Nervenzelle im Kopf des Astronomen tanzt auf fremden Frequenzen, berauscht von Farben, die man nicht sehen kann, nur fühlen.
Dann Stille.
Ein Tropfen Licht.
Der Anruf endet.
Und der Kollege liegt zurückgelehnt, das Funkgerät fallen gelassen, hypnotisiert. Die Welt ist langsamer, flüssiger. Jeder Atemzug ein Echo des Planeten.
Kunionerl hat sie beide berührt – und die Erde wird nie wieder dieselbe sein.
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