Das geheime Labor der Mensa
Die Kaffeemaschine blubberte, das Geschirr klapperte, und irgendwo im Hintergrund schnarrte der alte Herd wie ein vergessener Roboter. Riefunke schob den Wischmopp über den glänzenden Boden, doch seine Gedanken waren längst im Wald, bei den Mäusen, die ihm entwischt waren.
„Mithra… Liora… wo seid ihr nur?“ murmelte er leise, als er eine Krümelspur aufnahm. Für jeden Tropfen Wasser, den er über den Boden zog, fühlte es sich an, als würde er die Zeit selbst glätten, die verstreut zwischen den Reagenzgläsern, die er nie wieder berühren durfte.
Der Schlüssel zum Labor lag nicht mehr in seiner Tasche. Hätte er ihn noch, könnte er die Türen öffnen, die Geheimnisse wiedersehen – doch jetzt war alles fremd, menschlich, banal. Teller stapelten sich, und die Mensa roch nach Currywurst und Reinigungsmittel.
Und doch… er hatte eine Idee. Zwischen dem Geschirr und den Fußspuren der Studenten begann er heimlich zu schreiben, kleine Notizen auf Servietten: DNA-Formeln, Visionen von Vorwissen, telepathische Mäuse, evolutionäre Lizenzierungen. Jeder Satz war ein Tropfen Magie, den niemand außer ihm sehen konnte.
Dann hörte er ein leises Kratzen hinter dem Kühlschrank. Zwei winzige Augen blitzten im Halbdunkel. Milo und Liora. Die Mäuse.
„Du… putzt also Mensa?“ piepste Liora, als hätte sie seine Gedanken gelesen.
„Ja“, seufzte Riefunke. „Aber nur für die Welt sichtbar. Mein wahres Labor… bleibt hier.“ Er deutete auf die Servietten. „Alles, was ihr mir gegeben habt, die Lizenzen, das Wissen – das bewahre ich. Und eines Tages… werde ich es weitergeben.“
Milo hüpfte auf eine Kaffeetasse, Liora drehte sich wie ein kleiner Wirbelwind. „Du bist immer noch der Hüter“, sagte sie. „Auch ohne Schlüssel. Die Evolution vergisst dich nicht.“
Riefunke lächelte. „Vielleicht… ist die Mensa mein neues Labor. Jeder Tropfen Wasser, jeder Krümel, jede Tafel ist Teil des Experiments. Ich reinige nicht nur Böden. Ich forme Gedanken, Ideen… und Herzen.“
Und während draußen die Studenten lachten, die Kaffeemaschine summte und das Geschirr klapperte, begann irgendwo zwischen Wischmopp und Servietten die nächste Welle der Mäuse-Evolution – dokumentiert von einem Mann, der alles verloren hatte, außer seinem Wort und seiner Fantasie.
RIEFUNKE
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