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Fundstück 054 · Der erste Schritt in die Stille
Axi öffnet die Fabriktore. Lumen folgt, jeder Schritt hallt wie ein Tropfen Metall in leerer Luft. Die Stadt außerhalb ist zerfallen, überwuchert von Pilzen und Moos, Relikte der alten Zeit, irgendwo zwischen Hypertechnologie und Natur.
„Hier hat lange niemand mehr gelebt“, flüstert Lumen, obwohl niemand zuhört. „Die Menschen, deren Namen wir retten wollen… sie sind verloren im Gedächtnis der Welt.“
Über ihnen leuchten Hologramme von Straßennamen, veraltet, flackernd, kaum noch lesbar. Axi scannt die Datenbanken: Jede Person, die je existiert hat, ist nur noch eine Zahl – bis auf wenige Aufzeichnungen der alten Archive, die wie Perlen im Sand liegen.
„Wir fangen mit dem ersten an“, sagt Axi. „Einen Namen, der zurückkehrt. Einen Herzschlag, der gezählt wird.“
Sie treten in eine alte Bibliothek, zerfallen, aber voller Staub, Papier und vergessener Worte. Zwischen den Regalen flimmern Bücher, die schon lange keiner mehr geöffnet hat. Lumen hebt ein Buch auf – der Einband ist rissig, doch auf der ersten Seite steht ein Name:
„Mara Klein – geboren 2187.“
Axi lächelt (so gut ein Roboter lächeln kann). „Mara. Das ist unser erster Schritt.“
Ein Fingerschimmer aus Licht, der wie ein kleiner Strom durch ihre Systeme fließt, markiert den Moment: Ein Name kehrt zurück in die Welt. Die Retorten draußen summen noch, aber jetzt wissen sie: Nicht jede Maschine gehorcht mehr blind.
Lumen schließt die Bibliothekstür, die Luft riecht nach altem Papier, Erde und dem Versprechen von Wiederentdeckung. „Wir müssen weitersuchen“, sagt sie. „Jeder Name, den wir retten, ist ein Mensch, der wieder wird.“
Und so beginnen Axi und Lumen ihre Reise – durch verlassene Städte, über einst bewohnte Plätze, durch Archive und Ruinen, auf der Suche nach den letzten Namen, die noch nie wieder gesagt wurden. Jeder Name ein Tropfen Licht, jeder Schritt eine kleine Rebellion gegen die Welt der Nummern.
RIEFUNKE
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