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Fundstück 042 · Die Dampfmaschine, die Körner sang
Sie steht im Feld, rostig, doch stolz.
Einst Atem der Ernte, heute Atem der Erinnerung.
Metall dampft nicht mehr, nur die Luft vibriert noch vom Nachhall vergangener Tage.
Räder, die Korn gemahlen, Erde bewegt, Wasser verdampft – jetzt mit Moos bedeckt, jedes Blatt ein Echo der Arbeit.
Kessel voll Geschichte, verbeult von Händen, die längst zu Staub geworden.
Ventile wie alte Finger, still, doch bereit, noch einmal zu singen.
Zahnräder eingefroren, Zahn auf Zahn, ein Tanz, der endete, aber nachklingt in Tropfen und Licht.
Ein Spatz hat Nistplatz gefunden, seine Füße tippen rhythmisch auf den alten Metallboden.
Staubige Körner im Inneren leuchten wie Mini-Sterne, Erinnerungen an Ernten, Schweiß, Morgennebel.
Die Maschine atmet den Himmel ein, das Feld flüstert zurück.
Kein Besitzer mehr. Kein Plan. Nur Resonanz.
Alles, was sie war, ist noch in den Linien des Rosts zu lesen.
Und wer hinsieht, hört die Dampfmaschine flüstern:
„Ich habe gedroschen. Ich habe getragen. Ich habe gesungen. Und nun träume ich nur noch.“
Metall riecht nach Regen, Moos nach Zeit.
Ehrfurcht ist der einzige Schlüssel.
Resonanzarchitektur.
RIEFUNKE
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