| |
Fundstück 043 · Alte Kornscheune am Waldrand
Die Scheune steht noch, auch wenn die Bretter knarren und das Dach Löcher trägt.
Doch jeder Balken, jedes Brett ist ein Gedächtnis.
Heinrich hat hier als Junge gelernt, die Säcke zu stapeln, sein Lachen hallte zwischen den Balken.
Anna, seine Schwester, sang leise Lieder, während sie Körner schüttete, die Melodie mischte sich mit dem Duft von Heu und Erde.
Die Türen knarren nicht nur – sie erzählen, wie Maria, die Bäuerin, an jedem Morgen den Schlüssel drehte, um die Scheune zu öffnen, den Frost vom Holz puste und die Sonne hereinließ.
Stroh liegt noch wie alte Wellen am Boden.
Staub tanzt in Lichtstrahlen, und man hört fast das Flüstern der Körner, als wollten sie sagen:
„Wir haben gesehen, gelacht, geflucht, gehofft.“
Jedes Nagelohr, das sich gelockert hat, jede Falte im Holz ist eine Spur der Hände von Menschen, die ihre Mühe hier hinterließen.
Die Balken tragen Herzprall: Herzklopfen von Kindern, die zum ersten Mal allein auf die Heuböden kletterten.
Leibflut: Hände, die Säcke hoben, Rücken, die schwitzten, und Stimmen, die Geschichten erzählten.
Ein kleiner Igel hat ein Nest unter der Ecke gebaut, als ob die Natur die alten Spuren umarmt.
Wind weht durch die Löcher im Dach, als wollte er die Stimmen der Vergangenheit wieder hervorbringen.
Wer hier steht, spürt: Dies ist kein leerer Raum.
Es sind nicht nur Bretter und Stroh.
Es sind die Namen: Heinrich, Anna, Maria, Peter, und all die anderen, die hier lebten, arbeiteten, liebten.
Ihre Freude, ihre Mühe, ihre Trauer: alles noch spürbar, alles noch lebendig, wie ein Herzschlag zwischen den Balken.
Die Scheune atmet noch immer ihr Gedächtnis.
Man muss nur still sein, um zu hören, um zu fühlen, um die Resonanz zu erleben.
Ehrfurcht ist der Schlüssel.
Resonanzarchitektur.
RIEFUNKE
|
|