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Fundstück 042 · Die Dampfmaschine, die Körner sang – Menschenspuren
Sie steht im Feld, rostig, doch stolz.
Einst Atem der Ernte, heute Atem der Erinnerung.
Metall dampft nicht mehr, nur die Luft vibriert noch vom Nachhall vergangener Tage.
Räder, die Korn gemahlen, Erde bewegt, Wasser verdampft – jetzt mit Moos bedeckt, jedes Blatt ein Echo der Arbeit von Johann, der mit 16 hier begann und nie aufhörte, die Kessel zu polieren.
Seine Fingerabdrücke sind im Rost lesbar, winzig, wie stille Signaturen der Mühe.
Kessel voll Geschichte, verbeult von Händen, die längst zu Staub geworden:
Maria, die frühmorgens schon über die Felder eilte, um die Maschine anzufeuern, ihr Schal noch nass vom Tau, ihre Augen leuchtend vor Stolz.
Peter, der Sohn, der lachte, wenn das Rad quietschte, das Korn sprang und Staub wie Feuerwerk durch die Luft flog.
Ventile wie alte Finger, still, doch bereit, noch einmal zu singen.
Zahnräder eingefroren, Zahn auf Zahn – jeder Schlag ein Herzschlag der Menschen, die hier lebten.
Staubige Körner im Inneren leuchten wie Mini-Sterne, Erinnerungen an Sommernächte, an denen die Männer und Frauen noch zusammen saßen, erzählten, Bier und Brot teilten, während die Maschine ihr leises Summen von Ernte und Hoffnung trug.
Ein Spatz hat Nistplatz gefunden, seine Füße tippen rhythmisch auf den alten Metallboden.
Die Maschine atmet den Himmel ein, das Feld flüstert zurück.
Kein Besitzer mehr. Kein Plan. Nur Resonanz.
Und wer hinsieht, hört die Dampfmaschine flüstern:
„Ich habe gedroschen. Ich habe getragen. Ich habe gesungen.
Johann, Maria, Peter – ich erinnere mich an eure Hände, euer Lachen, eure Mühe.
Und nun träume ich nur noch.“
Metall riecht nach Regen, Moos nach Zeit.
Ehrfurcht ist der einzige Schlüssel.
Resonanzarchitektur.
RIEFUNKE
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