Im Bauch der Mama – Der Wunsch nach der kleinen Puppe
(fiktives Gespräch · noch unsichtbar)
Gen A: „Also gut. Entscheidung gefallen. Es wird ein Mädchen.“
Gen B: „Mit wachen Augen. Und einem Lachen, das wie ein Glöckchen klingt.“
Gen C: „Die Chromosomen sind sortiert. Die Baupläne stehen. Jetzt beginnt die Feinarbeit.“
Da regt sich etwas zwischen ihnen. Ein zartes Bewusstsein, kaum größer als ein Flüstern.
Mädchen: „Entschuldigung…“
Gen A: „Oh! Sie spricht schon?“
Gen B (lächelnd): „Natürlich. Möglichkeiten haben immer eine Stimme.“
Mädchen: „Wenn ich auf die Welt komme… hätte ich gern eine kleine Puppe.“
Stille im genetischen Kontrollraum.
Gen C: „Eine Puppe?“
Mädchen: „Ja. Und einen Kinderwagen. Einen kleinen. Damit ich üben kann, mich zu kümmern.“
Gen A: „Wir haben hier Augenfarbe, Haarstruktur und Sommersprossen vorbereitet… aber Puppen?“
Gen B: „Warte. Vielleicht ist das gar kein materieller Wunsch.“
Gen C: „Erklär dich, kleine Möglichkeit.“
Mädchen: „Ich möchte etwas haben, das ich lieben darf. So wie ich hier getragen werde. Ich möchte Fürsorge spielen, bevor ich sie ganz verstehe.“
Die Gene schauen sich an – wenn Gene schauen könnten.
Gen A: „Das ist kein Bauplan. Das ist Charakter.“
Gen B: „Dann streuen wir Empathie ein. Und Fantasie.“
Gen C: „Und eine Portion Hartnäckigkeit. Damit sie lange genug darum bittet, bis jemand ihr diesen Kinderwagen schenkt.“
Mädchen (zufrieden): „Und vielleicht ein bisschen Glitzer?“
Gen A: „Einverstanden. Aber nur dezent.“
Gen B: „Und Mut. Damit sie weiß, dass sie mit oder ohne Puppe vollständig ist.“
Gen C: „Abgemacht. Sie bekommt ein Herz, das größer ist als jeder Spielzeugwagen.“
Ein warmer Strom von Leben fließt durch den Raum.
Draußen schlägt das Herz der Mutter ruhig weiter.
Mädchen (leise): „Danke. Dann kann ich wachsen.“
Gen A: „Wachse.“
Gen B: „Träume.“
Gen C: „Die Welt bereitet sich vor.“
Und zwischen Zellteilung und Herzschlag entsteht nicht nur ein Körper –
sondern ein kleines Wesen mit einem großen Wunsch
und einem noch größeren Herzen.