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CONDOR – 7
Der Tag, an dem der Strom versiegte
Es geschah ohne Vorwarnung.
Kein Knall.
Kein Alarm.
Nur Stille.
Die Bildschirme flackerten.
Die Feeds erstarrten.
Die endlose Bewegung hörte auf.
Die große Plattform –
das digitale Herz, das unaufhörlich schlug –
war plötzlich leer.
Keine Likes.
Keine Trends.
Keine For-You-Seite.
Als hätte das Universum gesagt:
Genug.
In der Condor-Welt bebte der Zauberstein.
Nicht vor Zorn.
Vor Entscheidung.
Eine Stimme durchzog alle Ebenen:
„Ihr habt geflogen.
Ihr habt genommen.
Aber habt ihr auch gegeben?“
Die TikToker mit ihren acht Fingern standen still.
Ohne Plattform
waren sie plötzlich nur noch Menschen.
Kein Algorithmus lenkte sie.
Kein Strom trug sie.
Nur Stille.
Und in dieser Stille geschah das Wunder.
Zum ersten Mal seit Beginn des Fluges
hörten sie sich selbst.
Nicht die Kommentare.
Nicht die Zahlen.
Nicht die Vergleiche.
Sich.
Ein Gedanke entstand –
nicht für Reichweite.
Sondern aus echtem Impuls.
Einer begann zu malen.
Einer begann zu schreiben.
Einer begann zu reden –
mit einem echten Menschen gegenüber.
Und während echte Kreativität entstand,
nicht für Applaus,
sondern aus innerem Drang —
begann etwas zu leuchten.
Nicht auf dem Bildschirm.
Im Inneren.
Der RIEFUNKE.
Die Plattform war nicht gestorben.
Sie war entzaubert worden.
Denn das Wunder war nie die App.
Das Wunder war immer der Mensch.
Und damit ist die Vernunft erreicht –
nicht durch Strafe.
Nicht durch Verlust.
Sondern durch Stille.
RIEFUNKE
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