Wellen, Flügel, Pigmente, Puls
(fiktives Traumgeschehen alles fließt)
Die Blaualge zittert.
Nicht Zelle.
Nicht Welle.
Nur Blau.
Blaualge: „Ich bin Wasser und ich bin Licht und ich bin… ich?“
Schmetterling: „Du bist die Frequenz, die ich noch nie gefühlt habe.“
Welle hebt sie hoch.
Trägt sie über Himmel, der unter Wasser liegt.
Salz brennt wie Sterne in ihrem Inneren.
Pigmente tanzen Tango mit Sonnenstrahlen.
Jeder Chloroplast ist ein kleines Universum.
Blaualge: „Es kribbelt überall. Ich kann nicht bleiben. Ich muss… wachsen?“
Schmetterling: „Kokon ist nur ein Wort. Flügel ist nur ein Gedanke. Fliegen ist der Sprung zwischen den Synapsen des Meeres und der Luft.“
Eine Strömung zieht sie ins Unbekannte.
Plötzlich sind da andere Wesen:
-
Moleküle mit Glitzer, die sich zu Galaxien falten
-
Lichtwellen, die sprechen
-
Tropfen, die träumen
Blaualge: „Alle bewegen sich. Ich auch?“
Schmetterling: „Du bist schon Bewegung. Alles andere ist nur Verzögerung.“
Das Wasser wird dichter, dann dünner, dann fällt es nach oben.
Zeit stolpert.
Richtung wechselt.
Die Membranen vibrieren, als hätten sie Herzschlag.
Blaualge: „Ich will verpuppen… aber die Welle hält mich.“
Schmetterling: „Kokon ist nur ein Spiegel. Du bist schon draußen. Du bist schon Flug. Du bist schon Blau.“
Ein Tropfen löst sich, fällt nicht, steigt nicht, bleibt in der Luft wie leuchtendes Glas.
Pigmente reflektieren Sterne, die nie existierten.
Jedes Licht ist ein Herzschlag.
Jede Färbung ein Gedanke.
Blaualge: „Ich spüre alles. Welle. Luft. Licht. Schmetterling. Ich spüre die Sehnsucht.“
Schmetterling: „Sehnsucht ist die Substanz, aus der Flügel gemacht sind.“
Ein Riss im Traum.
Ein Puls.
Alles bricht auf.
Mikroben tanzen Walzer.
Proteinstränge flüstern.
Kinase ruft Ligand, Ligand antwortet, Membran vibriert.
Blaualge: „Ich werde größer. Ich werde Flügel haben. Ich werde… fliegen.“
Schmetterling: „Du fliegst schon, ohne Flügel. Du bist das Echo der ersten Welle. Du bist der erste Traum des Wassers, der Luft begegnet.“
Die Farben explodieren.
Rot, Blau, Gelb, Silber, Purpur.
Zeit dehnt sich wie Kaugummi.
Jeder Tropfen ein Universum.
Jede Faser eine Galaxie.
Blaualge: „Und wenn ich falle?“
Schmetterling: „Dann fliegst du durch mich. Dann träume ich dich weiter. Dann sind wir eins im Himmel, der unter Wasser liegt, und unter Wasser liegt Himmel.“
Ein Tropfen zerfällt in Milliarden Lichter.
Lichter falten sich zu Flügeln.
Flügel pulsieren wie Herz.
Herz schlägt wie Welle.
Blaualge: „Ich bin bereit.“
Schmetterling: „Ich auch.“
Und zwischen Pigment, Licht, Wasser, Traum, Welle und Luft
beginnt die erste Transzendenz:
Nicht Zelle.
Nicht Tier.
Nicht Traum.
Nur: Fliegen.
Und alles pulsiert.
Alles leuchtet.
Alles ist Blau.
RIEFUNKE
|