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Berlin war nun nur noch ein leeres Theater.
Die Straßen waren leer, die Ampeln blinkten sinnlos, und selbst die Zeit schien aufgehört zu haben.
Alle Wahlen, Debatten, Abstimmungen über Wasser wurden abgesagt.
Keine Stimmen, keine Kandidaten, keine Krawatten – nur das leise Echo vergangener Macht hallte durch die verlassenen Gänge des Reichstags.
Unter Wasser jedoch tobte ein Chaos, das niemand mehr verstand – und genau das liebten die abgetauchten Politiker:
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Ein Ex-Minister schwamm auf einem Schwarm Krabben, die Gesetzesentwürfe als Unterwasser-Postkarten trugen.
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Ein ehemaliger Bundestagspräsident führte Debatten mit Quallen, die pulsierend zustimmten oder widersprachen, je nach Lichtfarbe.
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Seepferdchen wurden als unparteiische Beobachter eingesetzt, während Tintenfische in Tentakel-Duellen über Budgetfragen stritten.
Und über all dem schwebte die Putzfrau.
Allein, bewaffnet mit Mopp und Eimer, beobachtete sie die Welt, die über Wasser zusammenbrach, während unter Wasser eine neue, bizarre Demokratie entstand – eine Demokratie der Strömungen, Herzschläge und Tentakel.
Manchmal sprach sie leise zu den leeren Stühlen:
„Na gut, ihr Politiker, ihr habt alles hinter euch gelassen. Ich hoffe, es war das wert.“
Doch sie war die Einzige, die die Überreste der alten Welt sah – während Berlin über Wasser langsam verarmte, verwandelte sich unter Wasser alles in glitzerndes Chaos.
Hier gab es keine Regeln, keine Hierarchien, keine Machtspiele – nur Lichtblitze, Liebe, Gift und Freiheit.
Und so entstand die wilde, unterwasser-politische Republik der Tiefe, während die letzte Putzfrau allein die leeren Gänge fegte und das letzte Stück Ordnung bewahrte.
RIEFUNKE
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