Drama der widerspenstigen Sandkörner
Teil 1: Der Streit der Sandkörner
Ort: Die Stunde der Sanduhr – ein goldenes Strömen zwischen zwei Gläsern
Sandkorn A (aufgeregt): „Ich will sofort runter! Ich habe genug vom Warten, genug von diesem endlosen Fall!“
Sandkorn B (stolz, trotzig): „Fall? Wir fallen nicht! Wir sind nicht nur Sand, wir sind Individuen! Wir entscheiden selbst über unsere Bewegung!“
Sandkorn C (besorgt): „Ruhig, ihr zwei. Denkt an die Balance. Die Seite unten wartet nicht ewig, aber wir… wir können diskutieren.“
Die Sandkörner beginnen, sich zu drängen, zu zögern, gegen einander zu stoßen. Es entsteht Chaos. Der Fluss stoppt, stockt, wiederholt sich, als ob die Zeit selbst den Atem anhält.
Sandkorn A: „Wenn wir runterfallen, verlieren wir unsere Identität!“
Sandkorn B: „Genau! Lieber Streit als Gehorsam!“
Ein leiser Wind fährt durch die Uhr, versucht Ordnung zu bringen – vergeblich.
Teil 2: Die Gravitation greift ein
Ort: Die kosmische Verwaltung – Schwerkraft, streng und mächtig, liest die örtliche Zeitung (die Sandkorn-Chroniken)
Gravitation (donnernd): „Was ist das für ein Affentheater? Sandkörner, die nicht gehorchen? Ich, die Gravitation, verbiete euch, weiterhin der Schwerkraft zu folgen!“
Sandkorn A (unruhig): „Das… das ist ein Skandal! Wir waren frei, und nun?“
Sandkorn C (nachdenklich): „Freiheit ohne Fall? Ohne Richtung? Was sind wir dann?“
Sandkorn B (jubelnd): „Endlich! Kein Fall mehr, keine Pflicht! Wir sind autonom!“
Die Sandkörner schweben, taumeln, drehen sich im Chaos, während die Gravitation stirnrunzelnd zusieht. Unten im Glas herrscht Stillstand. Niemand kommt an. Niemand geht.
Gravitation: „Ihr nennt das Freiheit? Ich nenne es… Unordnung. Aber ich kann nicht mehr eingreifen.“
Und so verharren die Sandkörner, streiten weiter, tanzen und weigern sich, zu fallen. Die Uhr zeigt keine Stunde, keine Minute, nur einen unendlichen Konflikt, der das Universum stillstehen lässt.
RIEFUNKE
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