Rechtsmittel gegen die Gravitation
Ort: Das winzige Gericht im Glashaus des Dorfpastors – die Sandkörner treten auf wie kleine, entschlossene Kläger
Sandkorn A (energisch, fließend über die Tischkante): „Wir legen Beschwerde ein! Die Gravitation kann uns nicht einfach unsere Freiheit verwehren!“
Sandkorn B (dreht sich, nervös, kichert): „Genau! Wir sind autonome Sandkörner! Wir haben Rechte! Wir haben Stimmen! Wir… äh… äh… wir streiten!“
Sandkorn C (ruhig, eloquent): „Wir fordern die Aufhebung der Schwerkraftentscheidung. Argumente: Identität, Selbstbestimmung, Chaos als Recht auf Existenz.“
Der Dorfpastor hebt seine Lupe, blickt ernst in die winzige Sandversammlung.
Dorfpastor (sanft, aber bestimmt): „Nun, meine kleinen Freunde… die Gravitation hat ihre Pflicht. Doch ich erkenne euren Mut an. Wir müssen prüfen: Hat Freiheit Vorrang vor kosmischem Gehorsam?“
Sandkorn A (jubelnd, hüpfend): „Ja! Ja! Wir fordern Gerechtigkeit!“
Sandkorn B (flüstert zu C): „Stell dir vor, wir bekommen Recht… dann fällt gar nichts mehr!“
Sandkorn C (schmunzelnd): „Oder alles gleichzeitig. Chaos ist die neue Ordnung.“
Der Dorfpastor schlägt die Bibel auf – aber es ist leer, abgesehen von kleinen Zeichnungen, die wie Miniatur-Uhren aussehen. Er seufzt.
Dorfpastor: „Ich werde urteilen, doch bedenkt: Die Gravitation ist stark, aber euer Geist… euer Geist ist freier.“
Die Sandkörner warten gespannt, glitzern in der Sonne, jeder Tropfen Glaslicht ein Zeuge dieses absurden Rechtsstreits. Die Uhr selbst scheint den Atem anzuhalten.
RIEFUNKE
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