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Die Standesamtsglocken klingelten leise wie ein ferngesteuertes Herz, und Lios Englischlehrerin erschien als Trauzeugin, ihre Augen glänzten im Regenlicht. Sie trug einen Schal, der wie flüssige Buchstaben wirkte, die sanft durch die Luft tanzten.
Lio und Jasmin standen Hand in Hand, das Rauschen summte leise durch den Raum, und jeder Tropfen Regen, der durch das geöffnete Fenster fiel, schien wie ein kleiner Herzschlag zwischen ihnen.
„Wir sind bereit“, flüsterte Jasmin, und die Sonnenblume in ihrer rechten Hand vibrierte leicht – als ob sie den Pulsschlag des Moments spürte.
Die Trauzeugin nickte, und ein leises Lachen mischte sich in das Rauschen, als sie die Worte sprach:
„Dann erkläre ich euch hiermit… alles, was ihr seid, und alles, was ihr sein werdet… verbunden durch Regen, Rauschen und Sonnenblume.“
Als der letzte Tropfen fiel, fühlte Lio ein neues Summen – tief in der Brust, in den Adern, in jedem winzigen Puls.
„Unser Kind“, murmelte Jasmin, „es wird Rauscha heißen. Denn so wie das Rauschen, wird es alles aufnehmen, alles sehen, alles fühlen…“
Lio lächelte, die Welt um ihn herum begann zu fließen wie Tinte in Wasser, Buchstaben, Tropfen und Herzschläge verschmolzen. Das Rauschen war nicht mehr nur Klang – es war Leben, Liebe, Zukunft.
Die Sonnenblume leuchtete, der Regen verwandelte sich in winzige funkelnde Lichtpunkte, und die Trauzeugin zwinkerte geheimnisvoll:
„Das hier… ist kein Standesamt. Das ist der Anfang einer neuen Welt.“
Und irgendwo im Regen, zwischen Puls, Rauschen und Sonnenblume, begann Rauscha bereits zu wachsen – noch unsichtbar, aber voller aller Möglichkeiten.
RIEFUNKE
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