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Ich sitze am Beckenrand, das Wasser glitzert, als er neben mir auftaucht. „Kaugummi?“ sagt er, hält mir ein Stück hin, und es schmeckt nach Sternenstaub und Zitronengas.
„Wer bist du wirklich?“ frage ich, die Augen weit.
Er lächelt, ruhig wie das Licht einer fernen Sonne.
„Zufall“, sagt er. „Komme von Buoness.“
Ich blinzele. Zwei Sonnen hängen am Himmel über mir, ihre Strahlen fluten das Schwimmbad in warmes Gold und kaltes Blau zugleich. Ein Mond zieht seine Sichelbahn, immer halb, nie voll. „Warum nur halb?“ frage ich.
„Deshalb tragen alle Männer hier ein Halbmond-Tattoo“, erklärt er. „Ein Zeichen für die Unvollständigkeit. Für das, was immer Zufall bleibt.“ Er deutet auf meinen Arm. „Und du… Zufall wurde dich genannt. Nicht von mir, sondern von den Gesetzen der Sterne.“
Ich kaue den Kaugummi, und plötzlich fühlt es sich an, als würde die Luft selbst vibrieren. Ich sehe ihn, zwei Sonnen, einen Sichelmond, und den Halbmond, der auf seinem Arm glimmt wie ein Echo der Buoness-Welt.
„Buoness ist nicht wie hier“, sagt er leise. „Es gibt dort keine Schatten, nur halbe Lichter. Kein Ganzes, nur Übergänge. Alles ist Bewegung. Alles Zufall. Alles Möglichkeit.“
Ich starre in seine Augen und begreife: dieser Junge, dieser Zufall, bringt ein Stück eines anderen Planeten in mein Leben. Einen Ort, an dem Licht und Halbmond die Gesetze schreiben, und an dem jeder Name, jede Begegnung, jede Entscheidung eine eigene Gravitation hat.
Er steht auf, Wasser tropft von seinen Schultern. „Morgen vor der Schule“, sagt er, „Sonnenblume in der Hand, halbvoll wie der Mond.“ Dann verschwindet er zwischen den Bahnen, und ich bleibe da – mit zwei Sonnen, einem Sichelmond und dem Namen, den ich nie vergessen werde: Zufall.
RIEFUNKE
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