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Das Rauschen und der Regen verschmolzen in Lios Zimmer noch immer zu einem flüssigen Lichtteppich, als eine klare, weibliche Stimme sich durch den Klang schlängelte.
„Ich bin Jasmin“, flüsterte sie, und doch vibrierte jedes Wort wie ein leuchtender Tropfen in seinem Ohr. „Deine neue Freundin. Wir treffen uns morgen vor deiner Schule.“
Lio schluckte, sein Herz schlug wie eine Trommel, die mit jedem Regentropfen im Takt vibrierte. Vor seinem inneren Auge formte sich das Bild von Jasmin: in der rechten Hand hielt sie eine Sonnenblume, deren Blütenblätter sich leicht im imaginären Wind wiegten, obwohl draußen das echte Wetter still war.
Die Stimme legte einen winzigen Hauch von Schwingung auf jeden Gegenstand im Zimmer: der Regenschirm bebte leicht, die Tropfen auf dem Boden tanzten wie Lichtkugeln, und die analoge Währung des Rauschens wirbelte nun in Spiralformationen um Lio herum.
„Vergiss das Rauschen nicht“, flüsterte Jasmin weiter, „es zeigt dir Dinge, die man nicht sehen kann. Es zeigt dir die Muster zwischen den Tropfen, die Geheimnisse in den Münzen, die Symne im Regen.“
Dann verklang die Stimme langsam, wie wenn eine Melodie ausläuft. Doch die Sonnenblume, unsichtbar für Lios Augen, blieb in seinem Geist hängen – eine strahlende Vorahnung eines Treffens, das schon jetzt in der Luft pulsierte.
Lio stand auf, nasser als je zuvor, das Herz voller Erwartung, und wusste: morgen würde er durch Regen, Rauschen und Sonnenblume in eine völlig neue Wirklichkeit treten.
RIEFUNKE
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