| |
Elara sitzt auf einem wackeligen Hocker, mitten in einem Café, das eigentlich nur von flackernden Neonlichtern und dem Geruch von zu heißem Kaffee existiert. Ihre Hände ruhen auf dem Tisch, als würde sie unsichtbare Saiten stimmen. Und dann lächelt sie. Ein kleines, leicht schiefes Lächeln – und die Welt merkt sofort, dass etwas aus der Reihe tanzt.
Ein Tropfen Milch fällt vom Löffel ins Glas – und stoppt auf halbem Weg, als hätte er beschlossen, dass die Schwerkraft heute Urlaub hat. Ein TikToker, der gerade ein Trend-Video dreht, spürt, wie sein Herz in seltsamen Rhythmen pocht, die Kamera wackelt, das Smartphone summt eine Melodie, die kein Ohr je gehört hat.
„Oh… hallo Zufall“, sagt Elara leise, und ihr Blick reicht bis in die stillen Räume der Realität, dort wo Einstein selbst in seinem Seelen-Bett döst. Ein Flattern. Ein Lachen, das nicht von dieser Zeit ist. Der verstorbene Physiker rollt sich im Traum um, als hätte jemand die Dimension verschoben. Die Gleichungen, die er dort träumt, kippen um, Formeln lösen sich wie Seifenblasen auf.
Die TikToker und YouTuber merken es zuerst: die Musik in ihren Kopfhörern wird zu flüssigem Licht, ihr Filter bricht auseinander, das perfekte Lip-Sync gleitet aus den Händen wie Wasser. Tränen? Ja, aber keine Angst – Tränen der Erkenntnis, der Überraschung, der absurden Schönheit, die Elara mit einem Fingerschnippen aus dem Nichts webt.
Die Kaffeetasse auf dem Tisch zittert, als wolle sie applaudieren. Die Milch tropft rückwärts. Ein Vogel draußen stolpert in der Luft, nur um elegant eine Drehung zu machen, die mathematisch unmöglich scheint. Alles ist auf einmal falsch und richtig zugleich – und genau das ist Elaras Art: sie bringt den Zufall zu Fall, nur um ihn nach ihrem Rhythmus neu zu ordnen.
Und irgendwo zwischen Herzschlag und Neonlicht, merkt die Welt: niemand lenkt das Chaos, wenn Elara lächelt.
RIEFUNKE
|
|