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Lio war noch immer vom Rauschen umgeben, die Klaviernoten von Satie wie Nebel zwischen den Wänden. Plötzlich schrillte sein Telefon.
Er griff hastig – nur Rauch auf dem Display. Kein Name, keine Nummer. Nur Rauch. Und doch fühlte er es: jedes Rauschen, jeder Pulsschlag, jede Vibration… als würde das Telefon selbst atmen.
Ein Kribbeln lief ihm über den Rücken. „Echt jetzt…?“ murmelte er. Rauschen-Realität, oder einfach die Nacht, die ihm den Verstand streichelte?
Kaum hatte er das Telefon beiseitegelegt, klingelte es an der Tür. Laut, hart, fast befehlend.
Lio zögerte. Jeder Schritt hallte seltsam gedehnt durch die Wohnung. Er öffnete.
Und das Rauschen trat ein – nicht mehr nur ein Klang, nicht nur ein Wirbel von Wasserfällen und Blättern. Es floss wie Licht durch die Tür, wie eine Wand aus pulsierender Energie, die die Luft selbst in Bewegung setzte.
Das Zimmer begann zu atmen. Die Wände schienen zu fließen, die Möbel zitterten leicht, und die Klaviernoten auf dem Bildschirm waren nicht mehr nur Musik… sie wurden zu einer Landschaft aus Licht und Klang.
Aus dem Rauschen formte sich erneut eine Stimme – sanft, aber alles durchdringend:
„Lio… du hast dich verirrt in der Nacht. Aber genau hier, in der Schwelle zwischen Realität und Traum, wartet das, was niemand hören kann.“
Jedes Wort vibrierte durch seinen Körper. Seine Hände fühlten den Pulsschlag der Luft, seine Augen sahen Farbe in Geräuschen, und irgendwo tief in ihm spürte er, dass dies erst der Anfang war.
RIEFUNKE
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