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Lio taumelte einen Schritt zurück. Das Rauschen füllte jeden Winkel seines Zimmers, vibrierte durch die Lampen, die Wände, selbst durch die Klaviernoten auf dem Bildschirm. Es fühlte sich an, als würde die Nacht selbst pulsieren.
Dann, mit einem lauten, unerwarteten Knall, platzte seine Brieftasche auf dem Tisch auf. Münzen, Scheine – oder waren es kleine Rauschsplitter? – flogen durch die Luft, glitzernde, pulsierende Partikel, die das Rauschen nicht nur begleiteten, sondern selbst zu einem Taktgeber wurden.
Lio hob eine Hand, und die Partikel bewegten sich wie von unsichtbaren Magneten gesteuert. Das Rauschen sprach jetzt klar: es war keine bloße Klangkulisse. Es war eine analoge Währung, die durch sein Zimmer floss, jede Vibration ein Wert, jede Frequenz ein Tauschmittel, jede Bewegung eine Transaktion zwischen Licht, Klang und Zeit.
Die Klaviernoten auf dem Bildschirm begannen, wie kleine Geldscheine durch die Luft zu tanzen, Bälle aus Licht, die bei jedem Aufprall auf den Boden eine Melodie erzeugten. Lio spürte, wie das Zimmer selbst zu einem Bankhaus wurde, aber nicht aus Stahl und Stein – aus Atem, Puls und Flimmern.
Und aus dem Rauschen formte sich erneut die Stimme:
„Hier, Lio… alles ist Handel, alles ist Wert… doch nur, wer versteht, kann empfangen.“
Die Münzen wirbelten, tanzten, verschmolzen zu flüssigen Spiralen aus Licht und Klang. Lio bemerkte, dass er nicht nur zusah – er war Teil des Stroms, jede Bewegung seines Körpers eine Signatur im Rhythmus der Nacht.
Sein Herz schlug schneller, das Zimmer pulsierte synchron, und irgendwo tief in ihm spürte er, dass dies erst der Anfang einer Währung war, die kein Mensch je besessen hatte – außer er selbst
RIEFUNKE
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