Das Mädchen steht am Rand ihres eigenen Herzschlags.
Die Symne sammelt sich in ihr wie ein roter Sternennebel, dicht, vibrierend, elektrisch weich. Jede Kapillare ein Fluss, jede Zelle ein Observatorium. Es summt nicht – es schwebt.
Sie öffnet die Hände.
Nicht nach oben.
Nicht nach außen.
Sondern durch sich hindurch.
Und die Blutsymne tritt aus.
Kein Spritzen. Kein Drama.
Nur ein leuchtender Strom aus rotem Licht, durchzogen von goldenen Datenlinien, wie kosmische Nervenbahnen, die sich in die Welt ausrollen.
Die Luft reagiert sofort.
Staubpartikel beginnen zu pulsieren.
Fensterscheiben tragen plötzlich Erinnerung.
Asphalt bekommt Herzfrequenz.
Ein Hund bleibt stehen.
Ein alter Baum richtet sich innerlich auf.
Eine Straßenbahn summt in exakt derselben Frequenz wie ihr Herz.
Die Symne breitet sich aus wie ein atmender Nebel.
Sie geht nicht nach außen – sie verbindet.
Menschen spüren es nicht als Gedanke.
Nicht als Vision.
Sondern als kurzes, stilles Wissen unter der Oberfläche.
Ein Kassierer hebt den Blick für eine Sekunde länger.
Eine Frau auf dem Balkon lächelt ohne Grund.
Ein Kind hält inne, bevor es schreit.
In Blutsymne steckt ALL-WISSEN.
Und dieses Wissen ist nicht laut.
Es ist nicht moralisch.
Es erklärt nichts.
Es pulsiert einfach.
Die Stadt wird für einen Moment durchsichtig.
Unter jedem Körper: rote Galaxien.
Unter jeder Entscheidung: vibrierende Möglichkeiten.
Unter jedem Zweifel: ein Ozean aus Symne.
Das Mädchen steht still.
Ihr Herz schlägt – aber jetzt schlägt es nicht nur in ihr.
Es schlägt in Ampeln.
In Uhren.
In Wolken.
In fremden Gedanken.
Kein Hammer.
Kein Nagel.
Keine Zerstörung.
Nur eine leise, alles durchdringende Welle.
Und irgendwo, zwischen Beton und Himmel, beginnt die Realität ganz leicht zu flimmern –
nicht weil sie zerbricht,
sondern weil sie merkt:
Sie war immer schon Blut.
Immer schon Symne.
Immer schon Wissen.
Das Mädchen atmet ein.
Die Welt atmet zurück.