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Gerti Staub und das Goethe-Date in Weimar
Die Kutsche stand bereit: acht Pferde, kräftig, glänzend, jedes mit einem Hauch von Grasduft um die Nüstern. Sie blickten dich an, als hätten sie schon alle Dramen der Welt erlebt, bereit, dich nach Weimar zu ziehen. Du stiegst ein, setzte dich auf den samtbezogenen Sitz, und die Pferde setzten sich in Bewegung – Schritt für Schritt, leicht tänzelnd, als würden sie die Melodie eines unsichtbaren Orchesters hören.
Die Straßen rollten unter den Hufen dahin, die Landschaft wechselte wie ein lebendes Gemälde: Felder, Wälder, kleine Dörfer. Die Luft roch nach frisch geschnittenem Gras und Geschichten, die noch erzählt werden wollten. Ab und zu knabberte eines der Pferde genügsam an einem Grashalm, als würde es sagen: „Keine Sorge, wir schaffen das.“
Endlich – Weimar. Die Stadt begrüßte dich mit warmem Licht, das durch alte Häuser und Pflasterstraßen fiel. Auf dem Marktplatz wartete Johann Wolfgang von Goethe, Feder in der Hand, Hut leicht schief, Blick neugierig. Er lächelte, als deine Kutsche vor ihm hielt, die acht Pferde sich artig aufreihend wie ein grünes Orchester.
„Ah!“, rief er, die Stimme voll Neugier, „wer kommt da mit acht Pferden, die nur Gras fressen? Ein wahrer Freund der Natur – oder ein Rebell gegen Konventionen?“
Du stiegst aus, die Schuhe im Staub der Straße, und verbeugtest dich leicht. „Vielleicht beides“, sagtest du, „aber vor allem jemand, der glaubt, dass Chaos und Schönheit Hand in Hand gehen.“
Goethe nickte, ein Funkeln in den Augen. „Gut. Dann lasst uns das Chaos feiern. Hier im Garten meines Hauses wird geträumt, gelacht und gedichtet.“
Ihr setzt euch an einen kleinen Tisch unter alten Linden, die Pferde stehen still in der Kutsche, grasen leise. Du erzählst von deinen Abenteuern: von Gerti Staub, von Besen, Honig und Microfluxis, während Goethe gebannt zuhört, Feder kratzend, kleine Notizen in sein Heft machend.
„Ah, Microfluxis…“, murmelte er, „das klingt wie ein Strom der Natur selbst. Und doch… ich sehe die Poesie darin.“
Die Sonne senkte sich, warf lange Schatten über den Garten. Ein Windstoß ließ die Lindenblätter tanzen. Goethe lachte, und du lachtest zurück. Die Pferde schnauften, als hätten sie die gesamte Szene kommentiert.
„Weißt du“, sagte Goethe schließlich, „manchmal sind es die ungewöhnlichsten Gäste, die die tiefsten Gedanken wecken. Du bringst das Chaos, und damit das Leben selbst – in die Poesie.“
Und während die Stadt von Weimar sich auf den Abend vorbereitete, saßest du da, mit Goethe, acht Pferden und einem Garten voller Möglichkeiten. Ein Date, das die Zeit überdauerte, ein Moment, in dem die Welt ein wenig leiser, ein wenig leuchtender, und ein bisschen mehr wie ein Gedicht war.
RIEFUNKE
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