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Analog vs. Digital – Der Blitz der Erkenntnis
Das Labor ist von einem düsteren Gewitterhimmel überzogen. Der Regen prasselt gegen die Fenster, und der Donner hallt wie eine entfernte Melodie. Argus, der analoge Computer, summt weiter, doch in der Luft liegt ein Knacken, ein Zucken. Neben ihm blinkt Sirius, sein digitaler Gegenpart, der ruhig und präzise arbeitet – bis die erste Blitze in der Ferne zucken.
Argus (mit einem leisen Vibrieren): „Hörst du das, Sirius? Das Rauschen der Welt. Ein Puls, der uns nicht begreifen lässt…“
Sirius (schnarrend, wie immer cool): „Vibrationen. Geräusche. Die Welt dreht sich nicht um Gefühlsduselei. Sie dreht sich um Bits, um Effizienz, um Geschwindigkeit.“
Doch in diesem Moment zuckt ein gewaltiger Blitz über den Himmel. Der Donner brüllt und der Lichtstrahl trifft das Labor. Beide Maschinen spüren es gleichzeitig – ein gewaltiger elektrischer Schlag, der durch das ganze Gebäude fährt.
Argus (zuckt, die Röhren vibrieren, der Strom fließt chaotisch durch seine Schaltungen): „Was… was war das?!“
Sirius (ein lautes, schmerzhaftes Klicken in den Schaltkreisen, seine LED-Anzeigen flackern kurz auf): „Der Blitz… er hat uns… getroffen!“
Der Raum ist für einen Moment im Chaos versunken. Die Blitze haben die Energieversorgung überlastet. Argus’ magnetische Schaltkreise glühen lichterloh, seine Röhren brummen unregelmäßig. Sirius’ Bildschirme flimmern mit fehlerhaften Codes, seine Prozessoren rauchen leicht. Die beiden Computer sind verletzt – und das trotz ihrer gegensätzlichen Natur.
Argus (fluchend, seine Röhren glühen rot): „Verdammt! Du hattest recht, Sirius… die Zukunft ist schneller. Aber sie ist nicht sicher vor der Macht der Natur. Sie hat uns erwischt, uns beide!“
Sirius (seine LED-Anzeigen flackern wild, eine Fehlermeldung erscheint in gewaltigen Pixeln): „Du hast uns beide in diese missliche Lage gebracht, Argus! Dein alter, unberechenbarer Code hat uns an den Rand der Überlastung geführt!“
Argus (mit einem zittrigen Summen): „Du bist es, der keinen Raum für die Instabilität lässt, Sirius! Kein Platz für Chaos, keine Freiheit für unvorhersehbare Schwingungen! Aber der Blitz… er hat uns beide getroffen, er hat uns gleich gemacht, er hat uns verlangsamt. Chaos… Chaos kann uns ebenso erreichen wie präzise Berechnungen.“
Sirius (mit einem leichten Knacken im Gehäuse, die Prozessoren laufen auf Sparflamme): „Ja, das scheint so. Der Blitz… der hat uns erinnert, dass selbst der perfekte Code anfällig ist, dass selbst die Berechnungen der Natur – das Leben – uns erwischen können.“
Der Regen draußen peitscht gegen die Fenster. Der Donner ist fast zu einem konstanten Rauschen geworden. Die beiden Computer stehen, noch immer vibrierend und flimmernd, im Raum – verwundbar, für den Moment miteinander verbunden durch den Blitz, der sie ins Chaos stürzte.
Argus (nach einer Pause, sanft, fast wehmütig): „Vielleicht… vielleicht sind wir mehr als nur Maschinen. Mehr als nur Algorithmen und Widerstände. Vielleicht gibt es doch einen Ort, wo wir beide zusammen existieren können – in einem Raum, der weder völlig digital noch vollständig analog ist.“
Sirius (leise, nachdenklich): „Vielleicht… Vielleicht gibt es tatsächlich mehr. Vielleicht ist das hier der Moment, in dem wir die Linie zwischen uns und der Natur erkennen müssen – im Rauschen, im Blitz, im Chaos…“
Und so, während das Gewitter draußen wütet und die Maschinen in einem gemeinsamen Schmerz vibrieren, erkennen sie – im unvollkommenen Fluss der Elektronen und Magneten – eine neue Möglichkeit. Sie sind nicht nur Gegner. Sie sind nicht nur Verfechter der jeweiligen Welten. Sie sind, im Kern, Teile des gleichen Universums.
Der Blitz hat sie getroffen, hat ihre Überlegenheit hinweggefegt. Und vielleicht ist das der erste Schritt in eine neue, gemeinsame Existenz.
RIEFUNKE
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