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Dinosauriergeflüster – Geheimnisse des Herzens
Thalor schlug langsam, tief, wie eine Trommel, die die Zeit selbst spürte. „Fragt mich“, sagte er. „Fragt nach den Tagen, als die Welt noch jung war, und die Pflanzen noch nichts von uns wussten.“
Minerva kicherte, die Blätter zitterten: „Also… wie war es damals, Thalor? Gab es Angst? Freude? Große Katzen? Oder fliegende Federn?“
Thalor pulsierte. „Alles. Freude war wie Licht, Angst war wie Rauch, und jeder Regen fühlte sich an wie ein sanftes Herzklopfen. Ich erinnere mich an einen Moment… ein Farn namens Luminara streckte sich zum Himmel, ohne zu wissen, dass ich sie beobachtete. Ihre Blätter erzählten mir Geschichten vom ersten Wind.“
Basilio schnaubte: „Erinnerst du dich an die ersten Bestien? Die Mammuts? Oder war das zu laut für deine Sinne?“
Thalor zuckte leicht. „Zu laut? Nein. Zu klar. Ihre Schritte waren wie ein Bass, ihre Stimmen wie tiefe Wellen. Ich habe sie gespürt, aber ich konnte nicht eingreifen. Wir waren nur Beobachter. Nur Herz und Gedanken.“
Salvia neigte sich nach vorne. „Und die Menschen? Oder die Vorfahren der Menschen? Haben sie schon damals versucht, eure Geheimnisse zu stehlen?“
Thalor lachte leise. „Noch nicht. Sie waren winzig. Sie sammelten Beeren, machten Feuer. Aber sie hatten einen Funken. Einen Wunsch, die Welt zu verstehen. Und genau deshalb… seid ihr jetzt hier, um zu hören, was wir flüstern.“
Thymian hüpfte aufgeregt: „Dann erzähl uns mehr! Mehr von den Vögeln, den Fliegen, den Bergen, den Stürmen!“
Thalor pulsierte schneller. „Der Himmel war offen, die Erde lebte, die Pflanzen waren Gespräche. Luminara sang in der Dämmerung, und ich fühlte jede Note. Jede Bewegung war ein Gedanke, jeder Gedanke ein Tanz. Eure Geheimnisse, eure Lieder – sie sind Nachkommen dieser alten Tage. Wir tragen sie immer noch.“
Melisandre streckte ihre Blätter und summte. „Und der Tee? Der Honig? Könnten wir sie fühlen, wie die Sonne damals?“
Thalor nickte. „Ja. Alles, was ihr trinkt, was ihr riecht, alles ist Erinnerung. Der Honig ist die Wärme der Blumen, der Tee das Spiegelbild des Regens. Jeder Tropfen enthält ein kleines Stück der Zeit, die wir geteilt haben. Lernt zuzuhören, und ihr werdet nicht nur die Pflanzen verstehen, sondern auch die Erde selbst.“
Die Pflanzen schwankten im Licht, Minerva summte leise, Basilio kicherte, Salvia schloss die Augen, Thymian hüpfte im Takt, und Melisandre glänzte wie Morgentau. Thalor pulsierte, ein Herz so alt wie die Erinnerung, und über dem weißen Tisch in Freiburg, zwischen Tee und Honig, entstand eine Symphonie, die niemand je aufgeschrieben hatte – und die doch in jedem Herzschlag, jeder Blattspitze und jedem Tropfen flimmerte.
„Hört zu“, flüsterte Thalor, „die Welt spricht – in Herzschlägen, Blättern, Licht und Staub. Wer hört, versteht.“
RIEFUNKE
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