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Gerti Staub erobert Graz – aber nicht ganz unbeschadet!
Gerti Staub hatte es geschafft: Die Universität Graz hatte ihre Bewerbung akzeptiert. Mit einem umwerfenden Bewerbungsschreiben, das voller Leidenschaft und Putzmitteln strotzte, war sie nun offiziell „Putzfrau mit besonderen Fähigkeiten“. Und was tat sie, kaum dass der Vertrag unterschrieben war? Natürlich: Sie organisierte ihren Umzug. Denn Gerti Staub ließ nichts dem Zufall überlassen – nicht einmal ihren Umzug!
„Ich brauche den besten Umzugswagen. Und der muss Platz für alle meine Putzutensilien haben“, dachte sie und wählte ein großes, stattliches Gefährt, das auf den ersten Blick so ordentlich aussah, wie ihre neuen Aufgaben an der Uni sein sollten.
Doch als sie am Uniparkplatz ankam, ahnte sie noch nicht, dass sie nicht nur mit Putzmittel und Eimer auf Erkundungstour gehen würde – sondern auch mit einem kleinen Problem.
Gerade als sie den Umzugswagen zurücksetzte, passierte es. BÄM!
Ein hässlicher Ruck ging durch den Wagen, und Gerti blickte entsetzt aus dem Fenster. Direkt vor ihr stand ein neues Elektroauto, glänzend und frisch, der Stolz des neuen Professors für angewandte Quantenphysik – Professor Max Schwarz. Das Auto hatte eine Delle, und der furchtbare Geruch von frischem Lack stieg in Gertis Nase.
„Oh nein! Das muss der Wagen von Professor Max Schwarz sein!“, dachte Gerti, als sie sich aus dem Wagen beugte und die Delle betrachtete. „Ein echtes Desaster… was mache ich jetzt?“
Professor Max Schwarz war kein gewöhnlicher Professor – er war ein Mathematikgenie, dessen kuriose Denkweise oft die ganze Fakultät auf Trab hielt. Er hatte nur eine Schwäche: sein Auto. Es war nicht nur ein Statussymbol, sondern seine absolute Geliebte. Ein Topmodell, wie er es oft betonte.
Gerti schnappte sich das Handy und versuchte verzweifelt, die Professoren-Nummer zu finden. Doch es war zu spät – Professor Schwarz war bereits vor der Tür und starrte auf die Delle, die direkt im Zentrum seines glänzenden Fahrzeugs thronte.
„Was ist das hier?!“ rief er empört, als er Gerti in ihrem Umzugswagen entdeckte.
„Ich… ähm… hab da was… angelehnt“, stotterte Gerti und stieg zögerlich aus dem Wagen. Ihre Putzutensilien wirkten in diesem Moment alles andere als beruhigend.
„Das ist mein neuer Wagen! Den habe ich mit viel Liebe und sehr sorgfältig ausgewählt!“
„Oh, Professor, das tut mir wirklich leid! Aber… es war wirklich… ähm, nicht beabsichtigt. Ich wollte nur meine Putzutensilien transportieren und… es war ein Fehler. Die Delle… wird sie sehr teuer?“
Der Professor starrte sie eine Weile an, dann seufzte er tief und legte seine Hand auf das Lenkrad seines stolzen Elektroautos.
„Nun gut, Gerti Staub, es ist nur eine Delle. Aber ich verlange eine Erklärung, wie diese Delle im Universum der Quantenmechanik erklärt werden kann. Wie entsteht solch eine… Krümmung in der Raumzeit?“
Gerti überlegte kurz und verzog dann ihre Lippen zu einem schüchternen Lächeln.
„Vielleicht… ist das wie bei den Quantenpartikeln. Sie können gleichzeitig an verschiedenen Orten existieren und sich trotzdem gegenseitig beeinflussen. Sie… äh, verschränken sich miteinander, auch wenn sie sich nicht berühren. Vielleicht ist es das gleiche mit der Delle und dem Auto.“
Professor Schwarz blinkte überrascht. Das war eine ziemlich kreative Antwort, und Gerti fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so schlecht. Doch dann zuckte er mit den Schultern und grinste.
„Also, Gerti, das war eine interessante Theorie, aber wenn du hier als meine neue Putzfrau arbeitest, dann darfst du dich beim Putzen nicht auf die Quantenmechanik verlassen. Es wäre gut, den Rest des Parkplatzes im Blick zu haben. Zum Beispiel das nächste Mal, wenn du mit einem Umzugswagen vorfährst.“
Gerti lachte nervös und nickte dann zustimmend.
„Ich verspreche, nichts mehr zu verschrotten...“
Und so wurde Gerti Staub die Putzfrau der Universität Graz – mit einer Delle im Herz und einer ungeahnten Leidenschaft für Quantenmechanik, die niemand je erwartet hätte.
RIEFUNKE
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