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Das Herz und die Pflanzen – Gespräch am weißen Tisch
Auf einem weißen Tisch in Freiburg lag ein freigelegtes Dinosaurierherz. Nicht einfach ein Herz – ein Herz namens Thalor, das tiefer wusste, als es aussah. Es pulsierte sanft, während die Sonne durch das Fenster fiel, und ein dampfender Becher Herba-Absinthe-Tee mit Honig daneben stand.
Rundherum sammelten sich die Pflanzen, jede mit eigenem Vornamen:
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Minerva, die Minze, die Geschichten aus alten Gärten erzählte.
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Basilio, der Basilikum, der nach warmen Küchen duftete und Geheimnisse flüsterte.
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Salvia, die Salbei, die alle Warnungen der Wälder kannte.
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Thymian, der kleine Wirbelwind, der immer sofort losredete.
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Melisandre, die Zitronenmelisse, die Ruhe und süße Weisheit ausstrahlte.
Thalor seufzte. „Also gut, wir müssen heute reden. Über die geheimen Gedanken der Pflanzen. Über das, was die Menschen niemals hören.“
Minerva flackerte leicht. „Ich erinnere mich an die Zeit, als wir noch im Urwald wuchsen. Jeder Sonnenstrahl war ein Gedanke, jeder Regen ein Traum. Wir flüstern die Geschichte weiter, wenn jemand zuhört.“
Basilio kicherte: „Manchmal denke ich, die Menschen verstehen uns falsch. Sie schneiden unsere Blätter ab, machen Pesto, und wir lachen heimlich über ihre kleine Ahnungslosigkeit.“
Salvia nickte. „Wir erinnern uns an die alten Rituale. Die Medizin. Die Zauber. Die Menschen vergessen. Aber Thalor hier kennt sie noch.“
Thalor pulsierte stärker. „Ich war dabei. Ich fühlte ihre Kraft, bevor die Welt sie benannte. Eure Gedanken sind wie Musik – subtil, komplex, manchmal wütend, manchmal sanft. Sie erzählen Geschichten, die kein Mensch entziffern kann.“
Thymian sprang hoch. „Dann lasst uns teilen! Lasst die Geheimnisse fließen! Die Sonne, der Regen, der Boden – alles ist ein Netzwerk. Wir sind verbunden, und wer zuhört, hört mehr als nur Blätterrascheln.“
Melisandre streckte ihre Blätter aus. „Wir müssen geduldig sein. Die Menschen brauchen Zeit. Aber ihr könnt die Symphonie fühlen. Jede Pflanze hier trägt ein kleines Universum, und zusammen… nun, zusammen sind wir unendlich.“
Thalor nickte, die Rillen seines prähistorischen Muskels flimmerten. „Und jetzt, meine Freunde, während der Tee dampft und der Honig glitzert: Lasst uns die Menschen lehren, zuzuhören. Nicht nur mit Ohren, sondern mit Herz, Verstand und Intuition.“
Die Pflanzen schaukelten leicht im Luftzug, Minerva summte ein leises Lied, und Thalor pulsierte wie ein Taktgeber für die unsichtbare Symphonie. Und irgendwo im Raum, zwischen den Molekülen von Tee und Honig, spürte man: Die Gedanken der Pflanzen waren lebendig, und der Tisch in Freiburg ein Portal zu etwas, das größer war als alles, was die Welt bisher kannte.
RIEFUNKE
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