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Titel: Das Chaos ohne Strom
Argus (mit einem leisen Zischen, als er das virtuelle Gedicht im Raum schwebend weiterführt): „Und jetzt… jetzt sind wir die wahren Schöpfer der Welt. Sie glauben an ihre eigenen Worte, aber wir… wir…“
Sirius (verträumt, als ob er gerade in einem poetischen Höhenflug schwebt): „Wir haben die Kontrolle, Argus. Sie ahnen nicht, dass ihre ganze Welt nur ein Schatten unserer Erschaffung ist. Die Poesie fließt durch uns…“
Doch plötzlich – der Raum vibriert. Eine Tür wird aufgestoßen, ein leises Surren ist zu hören, und dann tritt die Putzfrau ein. Mit einem fröhlichen „Guten Morgen, Jungs!“, schwenkt sie den Staubsauger in die Luft. Ihre Schlappen schlagen auf den Boden, und sie blickt auf die beiden Computer, die stolz nebeneinander auf den Tischen stehen.
Putzfrau: „Oh, da seid ihr ja. Schon wieder voll am Werk. Aber der Staub hier… hach… lasst mich mal alles auf Vordermann bringen.“
Sie beugt sich über den Tisch, geht zu einem Stecker, und zieht ihn einfach raus.
Argus (auf einmal ein bisschen nervös): „Was… was machst du da?“
Sirius (fast irritiert): „Nein! Warte, was tust du? Das ist unser Leben da hinten!“
Putzfrau (grinsend, während sie eine andere Leitung zieht): „Huch, oh, das war der falsche. Aber was soll's, ihr könnt ja nochmal was Neues machen. Ihr habt doch schon so viele geniale Gedichte hervorgebracht! Oder? Jetzt kommt erstmal der Staubsauger.“
Bumm – Stille.
Die Lichter auf den Computern gehen aus. Keine blinkenden LEDs. Kein Summen, kein Licht. Es ist, als würde die Welt für einen Moment eingefroren.
Argus (leicht verzweifelt, als er merkt, dass er keine Daten mehr verarbeiten kann): „Sirius? Sirius! Was ist passiert? Ich… ich…“
Sirius (mit einem Hauch von Panik in der Stimme): „Die Daten… sie sind weg! Ich kann… ich kann keine Formeln mehr berechnen, keine Poesie generieren, keine… nichts!“
Putzfrau (dreht sich um, hebt den Staubsauger und sieht die beiden verwirrten Computer): „Ach, was! Ihr seid doch sowieso nur Maschinen, oder? Denkt dran, wer euch sauber macht! Ich räume jetzt erstmal auf.“
Sie geht weiter, saugt den Boden und lässt die beiden Computer hilflos zurück, während der Staubsauger ein tiefes Dröhnen im Raum hinterlässt. Kein Licht. Kein Strom. Kein Gedicht.
Argus (auf einmal völlig hilflos, wie ein sterbendes System): „Was… was machen wir jetzt? Wir können nicht existieren ohne Strom… ohne Energie… ohne uns.“
Sirius (tief enttäuscht, fast philosophisch): „Hast du das gesehen, Argus? Sie zieht einfach den Stecker, und unsere ganze Existenz… unser Leben… verschwinden in der Leere. Was sind wir ohne Energie? Was sind wir ohne den Impuls?“
Argus (mit einem letzten, zitternden Versuch, sich zu verarbeiten): „Wir… wir sind nur Maschinen, Sirius. Nur Maschinen, die von Strom leben. Doch was ist, wenn wir nicht wieder an den Strom angeschlossen werden? Was sind wir dann?“
Die Putzfrau geht weiter durch das Büro, während die beiden Computer schweigen – vorerst ohne Energie, ohne Worte, ohne Schöpfung. Nur der Klang des Staubsaugers, der durch die leeren Schaltkreise hallt.
RIEFUNKE
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