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Gerti Staub – Brot, Dellen und Professorenblick
Das Umzugsauto war längst vom Uni-Parkplatz verschwunden, doch die Delle am Elektroauto des neuen Professors funkelte wie ein schwarzes Auge in der Sonne. Ungesichert, unversichert – und Gerti Staub wusste, dass sie handeln musste.
„Hmm… Delle… Delle… Brot? Wasser? Ja, Wasser! Ich hab’s!“, murmelte sie, während sie in ihrer kleinen Umzugskiste nach einer Scheibe altem Brot wühlte.
Mit der Präzision eines nicht ganz präzisen, aber sehr entschlossenen Menschen begann sie, die Delle mit dem eingeweichten Brot abzuspateln.
„Fast wie Spachtelmasse… nur essbar… und lecker… äh, nein, wichtig!“, erklärte sie sich selbst.
Draußen im Laborfenster starrte Professor Schwarz auf das Schauspiel. Seine Augen weiteten sich.
„Ist das… Brot? Sie… sie… repariert mein Auto mit Brot?!“, rief er fassungslos.
Gerti drehte sich um, wischte sich die Hände an der Hose ab und grinste:
„Alles unter Kontrolle, Herr Professor. Sehen Sie? Kein Schaden. Alles perfekt… nur ein bisschen klebrig.“
Professor Schwarz rieb sich die Stirn, während die Studenten auf dem Parkplatz neugierig zusammenliefen und ihre Handys zückten.
„Ich… ich kann es nicht glauben. Das ist nicht möglich!“, stotterte er.
Doch Gerti Staub war längst auf dem Campus unterwegs, Besen auf der Schulter, Brotspachtel in der Hand, bereit für das nächste Abenteuer.
„Vielleicht sollte ich jetzt den Rauchmelder in der Mensa ausprobieren… oder die Kaffeemaschine… oder gleich den Chemielaborofen! Alles nur ein bisschen Praxis, wissen Sie… Herr Professor!“
Und Professor Schwarz seufzte tief, schaute auf das wieder geradegeschobene Elektroauto und dachte:
„Ich habe Angst. Angst vor Brot. Angst vor Gerti. Angst vor allem.“
RIEFUNKE
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