Der Pastor wird Politiker – und der Pazifismus lässt ihn nicht los
Kapitel 1: Der große Umschulungs-Wunsch
Es war ein sonniger Dienstagmorgen, als Pastor Wilhelm sich entschied, Politiker zu werden. Ein radikaler Schritt, doch er hatte genug von der staubigen Kanzel und dem Zeremoniell der heiligen Messen. „Warum nicht mal was anderes?“ dachte er sich. „Vielleicht Pazifismus. Das klingt gut, oder?“
Er hatte nie gedacht, dass es so einfach sein würde. „Ein Politiker zu werden ist wie das Hineinstoßen in einen Wassertank“, dachte er, „du wirst nass, aber du spürst den Widerstand der Wellen!“
Also zog er seinen Pastorenmantel aus (der jetzt als offizielle politische Robe diente) und setzte sich in ein kleines Büro, um die wunderbaren Versprechungen des Pazifismus zu verinnerlichen. „Kein Krieg! Keine Gewalt! Nur Dialog und Frieden!“ murmelte er zu sich selbst, als er die ersten Flyer verteilte. „Und vielleicht… vielleicht auch ein bisschen Politik…“
Kapitel 2: Das Problem der leeren Kirche
Doch es gab ein kleines Problem. Die Kirche, die er einst mit Predigten über das Evangelium des Friedens gefüllt hatte, stand jetzt leer. Kaum noch ein Gläubiger nahm den Weg auf sich. Es war fast so, als ob der Pazifismus auch die Besucher vertrieben hatte – der alte Pastor war zu „zu weich“ geworden, die Menschen suchten härtere Führung. Kein Beben der Stimme, kein „Feuer und Schwefel“ mehr. Nur noch sanfte Worte und Verträge für den Weltfrieden.
„Die Kirchenbänke sind so leer wie die Versprechen von Politikern!“ dachte der Pastor frustriert. Aber das Problem war noch viel größer: Die Obdachlosen hatten mittlerweile den Altarschmuck entdeckt. „Kerzen sind teuer!“ dachte einer der Obdachlosen, als er eine der hochheiligen Lichter stahl. Und siehe da, die Kerzen verschwanden schneller, als der Pastor „Amen“ sagen konnte.
„Das ist ein Skandal!“ schrie er einmal während eines seiner letzten Versammlungen. Aber als er von der Kanzel herabstieg, fiel ihm auf, dass kein einziges Ohr ihm zuhörte. Kein einziger Applaus, keine Stimme, die „Amen“ rief. Nur das leise Knistern der Kerzen, die bald wieder alle verschwunden waren.
Kapitel 3: Politik trifft Pazifismus
Ein paar Wochen später war der Pastor als Politiker unterwegs. Auf dem Marktplatz hielt er seine erste große Rede als Pazifist, doch die Bürger schauten nur gelangweilt zu. „Frieden für alle!“ rief er mit einer Hand in der Luft, aber nur ein Hund bellte aus der Ferne. „Nie wieder Krieg!“ rief er, und jemand rief zurück: „Essen wir jetzt Brot oder reden wir noch?“
Der Bürgermeister kam vorbei, schüttelte ihm den Kopf und sagte: „Du bist der einzige Politiker, der noch keine Kriegsklauseln im Vertrag hat. Das ist unpraktisch!“
Doch Pastor Wilhelm ließ sich nicht beirren. „Warum sollte man auch mit Waffen und Waffenstillständen verhandeln, wenn man in einem Dialog, in einem Gespräch, in einem freundlichen Teekränzchen alles lösen kann?“ erklärte er voller Überzeugung.
Doch bald merkte er, dass die realen Politiker mit Krieg und Zorn viel mehr Geld verdienten als mit Pazifismus. „Wo bleibt der Krieg, wenn alle in Frieden leben wollen?“ dachte er und fuhr fort, die großen Politiker zu beneiden, die wenigstens konkret handeln konnten. Er sah sich selbst als Fehl am Platz. Frieden verkaufen konnte er nicht – Krieg verkaufen dagegen, das schien die neue Mode zu sein!
Kapitel 4: Der Frieden ist ein Rutsch
Eines Nachmittags, als der Pastor im Kaffeehaus saß und ein köstliches Stück Bienenstich genoss, sah er durch das Fenster, wie ein Schwarm von Menschen auf den Marktplatz strömte. „Die Menschen wollen das Drama!“ dachte er.
Aber als er aus der Tür trat, wurde er von einem der Obdachlosen angesprochen: „Haben Sie noch Kerzen?“
„Das sind keine Kerzen!“ rief der Pastor. „Das sind Symbole des inneren Lichts, das wir suchen!“
„Das wissen wir schon, Herr Pastor. Aber, äh, könnten Sie uns vielleicht einen neuen Vertrag für das friedliche Leben anbieten?“
Der Pastor stand auf, zögerte, dann grinste er. Vielleicht war Politik doch nicht so schlecht. „Okay, ich werde den Vertrag neu schreiben“, sagte er. „Aber diesmal – keine Kerzen, dafür ganz viel Frieden. Aber auch ein bisschen…realistischer Frieden, okay?“
Die obdachlosen Kerzenräuber nickten wissend.
Kapitel 5: Ein pazifistischer Abschluss
Und so endete die Geschichte von Pastor Wilhelm, dem neuen Politiker, der den Pazifismus predigte, aber auch wusste, dass die Welt nicht nur aus Frieden besteht – und manchmal muss man den Pazifismus mit einem Lächeln und einer Kaffeetasse verteidigen.
Doch wer weiß, vielleicht kommt die nächste große Rede und die Kerzen, die zurückkehren – aber für den Moment bleibt er, sanft aber entschlossen, in der Mitte der politischen Bühne, mit einer Hand voll Frieden und einer Menge Enttäuschungen.
Das Ende? Oder vielleicht der Anfang einer neuen Ära der ruhigen Politik?
Der Pastor als Politiker: Der Pazifist ohne Kerzen und mit einer Tasse voll realistischem Idealismus. ?
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