Phase 30: Das doppelte Freiburg
Mitten im intergalaktischen Wasserballett,
zwischen Zebras auf Gummibooten
und Pastoren im Sektnebel,
verschiebt sich etwas.
Nicht Berlin explodiert.
Nicht die Spree brennt.
Sondern:
Berlin wird Freiburg.
Langsam.
Fast höflich.
Die Straßenschilder verändern sich.
Die Luft wird milder.
Die Hektik verwandelt sich in Sonnenlicht.
Und plötzlich steht es da:
Freiburg.
Aber –
es gibt schon ein Freiburg.
Und nun gibt es zwei.
Kapitel 1: Das Wunder
Niemand versteht es.
Außer den Kindern.
Die Kinder schauen auf die beiden Städte
wie auf zwei Seifenblasen,
die nebeneinander schweben
und sich nicht berühren.
Ein Freiburg im Norden.
Ein Freiburg im Süden.
Beide echt.
Beide gleichzeitig.
Die Erwachsenen diskutieren:
-
„Geografisch unmöglich.“
-
„Verfassungsrechtlich problematisch.“
-
„Kartografischer Totalschaden.“
Die Kinder zucken mit den Schultern:
„Ist doch klar.
Manchmal braucht eine Stadt ein Echo.“
Kapitel 2: Die Erklärung der Kinder
Ein Mädchen mit Seifenblasenstab sagt:
„Das eine Freiburg ist für das Denken.
Das andere für das Träumen.“
Ein Junge im Zebra-Paddelboot ergänzt:
„Und wer wechselt, merkt es gar nicht.
Nur die Sonne fühlt sich anders an.“
Die Ratten nicken.
Sie haben es schon gewusst.
Zebras legen ihre Ruder nieder.
Kein Chaos mehr.
Nur ein leises, weiches Staunen.
Kapitel 3: Der Pastor
Der Pastor steht zwischen beiden Freiburgs.
Kirche, Altar, Glocken – alles schwebt still.
Kein Rotweinregen.
Kein Sektknall.
Er hebt die Hand.
Und sagt nur:
„Wenn Kinder es verstehen,
ist es kein Fehler.
Sondern Gnade.“
Dann läuten die Glocken.
Nicht laut.
Sondern wie ein Herzschlag.
Kapitel 4: Die neue Ordnung
Auf den Landkarten erscheinen zwei Punkte mit gleichem Namen.
Kein Sternchen.
Kein Hinweis.
Nur:
Freiburg.
Und Freiburg.
Menschen reisen hin –
und wissen nie genau,
in welchem sie gelandet sind.
Aber die Kinder wissen es sofort.
Am Licht.
Am Geruch.
Am Gefühl.
Epilog
Die Seifenblasen schweben höher.
Die UFOs sind verschwunden.
Die Zebras schlafen am Ufer.
Und irgendwo zwischen den beiden Freiburgs
sitzt ein Kind und malt zwei Kreise nebeneinander.
„Das ist kein Fehler“, sagt es.
„Das ist ein Spiegel.“
RIEFUNKE