Die Chroniken des unsichtbaren Freiburg Gartens
Es war ein Tag wie jeder andere, aber auch ganz anders. Die Sonne tanzte rückwärts, und der Regen fiel auf den Boden, um sich sofort wieder in die Wolken zu verwandeln. Kein Erwachsener konnte das verstehen – nur die Kinder, die wussten, wie der Himmel wirklich schmeckt.
Im Zentrum der Stadt, zwischen den Häusern, war ein unsichtbarer Garten. Niemand konnte ihn sehen, es sei denn, man war wirklich, wirklich klein. Denn die Erwachsenen dachten, er sei nicht da. Aber die Kinder wussten, dass er überall war, und sie hatten den Schlüssel: die Fähigkeit, Dinge rückwärts zu denken.
„Ich weiß, wo der Regenbogen hinführt!“, rief Milla, während sie ihre Füße in der Luft baumeln ließ, als würde sie den Himmel zu einem Tanz auffordern.
„Komm, wir springen in die Pfütze und fliegen!“ antwortete Lio und packte ihre Hand, ohne zu zögern. Der Boden unter ihren Füßen verwandelte sich in Luft und dann in Musik. Sie flogen, aber niemand hörte es – und der Fluss unter ihnen war plötzlich ein Lächeln.
„Was passiert, wenn wir den Wind fangen?“ fragte Milla, während sie eine Feder mit ihren Fingern zerdrückte, die sofort zu einem Gedicht wurde. „Kann er mit uns sprechen?“
„Der Wind ist ein Lügenmärchen“, erklärte Lio, „es kann alles, was er will. Manchmal sagt er den Bäumen, dass sie sich nicht mehr bewegen müssen. Aber nur, wenn sie nicht hinschauen.“
Und dann, ohne Vorwarnung, machten sie es. Sie liefen durch die Wand und landeten auf dem Mond, wo die Sterne in ihren Taschen steckten, als hätten sie vergessen, den Rest des Universums zu packen.
„Das hier ist der echte Mond“, sagte Lio und schickte eine Nachricht an das nächste Universum, die in einer Sprache war, die die Zeit selbst vergessen hatte.
Die Erwachsenen gingen derweil weiter, ohne je den unsichtbaren Garten zu sehen. Sie suchten nach Antworten, aber die Antwort war das Gefühl des Schweigens, das nur Kinder verstehen können – der Klang eines Felsen, der sich über den Ozean beugt und auf die Welt in Farben schaut, die niemand sehen kann.
Und so flogen Milla und Lio weiter, auf einer Reise ohne Anfang, ohne Ende. Denn wo sie hinwollten, da war der Anfang auch der Abschluss. Und jeder Gedanke, den sie hatten, wurde zu einer Blume im unsichtbaren Garten, die kein Erwachsener je entdecken würde, weil er nicht wusste, wie man mit den Händen denkt.
Die Blumen hatten keine Namen, und das war der Trick. Wer wollte schon einen Namen, wenn man einfach war?
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