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Das Kühe-Exil und der Besen-Schwung
Es war ein entscheidender Tag in Freiburg. Nachdem die Milchglocken und das seltsame, zuckrige Chaos durch die Straßen zogen, hatten der Pfarer und das Bürgeramt gemeinsam eine gewagte Entscheidung getroffen – eine Entscheidung, die den ruhigen Alltag der Stadt für immer verändern würde:
Alle Kühe mussten weg.
„Wir können das nicht einfach ignorieren“, sagte der Pfarer, der inzwischen von der ganzen Milchgeschichte in eine Art mystische Trance versetzt war. „Die Kühe – sie sind jetzt zu stark mit dem Milch-Mythos verbunden. Sie können uns nicht länger den Weg zum wahren Frieden zeigen. Wir müssen sie nach Frankreich schicken – sie brauchen neue Weiden, weit weg von hier!“
Die Entscheidung war gefallen, und die Kühe standen plötzlich in einer langen Reihe auf dem Marktplatz, als hätten sie schon immer gewusst, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Ihre Augen blickten weise und ruhig, als der Bürgermeister, der das Ganze schon zu lange ausgebrütet hatte, mit einem Megaphon anrief:
„Kinder, es ist eure Zeit!“
„Besen und Eimer in die Hand“, rief er den Scharen von Kindern zu, die sich langsam versammelten, „Heute ist der Tag, an dem ihr die Straßen von Freiburg von der Milch befreien werdet – und die Kühe werden nicht mehr euren Weg blockieren!“
Doch die Kinder hatten schon lange geahnt, dass dies nicht nur ein gewöhnlicher Tag war. Die Straßen waren jetzt nicht mehr nur verschmutzt von Staub, sondern von einem magischen, klebrigen Film, der sich aus der restlichen Vollmilch zusammenbraute. Es war eine Mischung aus Milch, Magie und milchigen Rätseln, die die Straßen überzogen und jede Besenbewegung zu einem kosmischen Abenteuer machten.
„Was ist, wenn wir nie alle Straßen frei bekommen?“ fragte ein Kind, das einen Besen schwang, während der Eimer über den Asphalt glitt. Doch das Eimerwasser blieb im Schlepptau und bildete einen kleinen See aus Milchträumen, der sofort einen weiteren Milchregen hervorrief.
„Wir müssen uns darauf vorbereiten, den ganzen Fluss zu reinigen“, sagte ein anderes Kind, das plötzlich aus dem Nichts einen Schwamm zauberte. Es war kein gewöhnlicher Schwamm. Dieser Schwamm war aus verirrten Quanten und schien das Milch-Universum aufzusaugen.
Die Kühe, die bereits in einer mystischen Parade gen Frankreich zogen, blickten zurück und schienen den Kindern zuzuwinken. Ein schüchterner, weißer Bulle nickte, als er die Kinder sah, die jetzt nicht mehr nur Straßenkehrer waren, sondern Hüter der Milchspuren.
„Warum müssen wir eigentlich die Straßen sauber machen?“, fragte ein kleines Mädchen, das ungeduldig mit ihrem Eimer auf den Boden trommelte. „Könnte das nicht jemand anderes tun?“
„Es gibt keine Zeit für Fragen, wenn der Milchstrom ruft“, antwortete ein älteres Kind, das plötzlich ein Magisches Buch der Milchgeheimnisse in der Hand hielt. „Und außerdem, der Kuh-Exodus nach Frankreich wird uns alles zeigen. Vielleicht ist dies der wahre Grund, warum der Pfarer uns diesen Auftrag gegeben hat.“
Der Pfarer, der auf dem Marktplatz stand und über die Kühe blickte, murmelte: „Vielleicht ist es nicht nur die Milch, die wir reinigen müssen. Vielleicht müssen wir uns von der Freiheit der Kühe befreien, um die wahre Freiheit zu finden.“
Als die Kühe die Grenze erreichten, wurde plötzlich der Fluss der Milch in eine neue Richtung gelenkt. Über der Grenze, in Frankreich, gab es schon lange kein Vollmilchpulver mehr, und die Kühe sollten es nicht wieder zu einem Fremdkörper machen. Sie gingen weiter, getragen von der Energie der Veränderung.
Doch Freiburg blieb hinter ihnen zurück, eine Stadt der magischen Besen und Eimer, in der Kinder die Straßen mit Milchträumen säuberten und dabei mit jeder Bewegung den Rhythmus der Freiheit spürten.
„Vielleicht sind wir jetzt die Hüter des Milchflusses“, sagte das Kind mit dem Schwamm, als es den letzten Tropfen Milch in den Eimer zog.
„Oder vielleicht“, flüsterte ein anderes Kind, „sind wir die Pioniere der Befreiung, die die Kühe in die weite Welt tragen. Und wir bleiben hier, um zu tanzen, während die Straßen uns die Geschichte der Milch erzählen.“
Und so, während der Besen in die Luft stieg, begannen die Kinder von Freiburg zu tanzen. Ihre Bewegungen wurden zu magischen Linien, die sich über die Straßen zogen – Linien aus Milch, die sich in der Luft zu einem neuen Symbol der Freiheit verdichteten.
RIEFUNKE
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