Das dritte Freiburg
Eines Abends
liest jemand vom doppelten Freiburg.
Er lächelt.
Oder runzelt die Stirn.
Oder denkt: „Interessant.“
Und in genau diesem Moment
verschiebt sich etwas.
Nicht in Deutschland.
Nicht auf der Landkarte.
Im Leser.
Denn das zweite Freiburg
war nie geografisch.
Es war ein Test.
Nicht für Intelligenz.
Sondern für Durchlässigkeit.
Wenn der Leser denkt:
„Schöne Metapher.“
Dann bleibt alles Fiktion.
Wenn der Leser denkt:
„Unsinn.“
Dann schrumpft das zweite Freiburg endgültig.
Aber wenn der Leser
für einen einzigen Atemzug
zulässt,
dass zwei Wahrheiten
gleichzeitig existieren können —
dann entsteht
ein drittes Freiburg.
Nicht draußen.
Innen.
Dieses dritte Freiburg
hat keine Häuser.
Es hat Möglichkeiten.
Es ist der Raum,
in dem Gegensätze nebeneinander stehen dürfen.
Ordnung und Chaos.
Ironie und Ernst.
Glaube und Zweifel.
Und jetzt kommt die leise Verschiebung:
Vielleicht war das erste Freiburg
die reale Stadt.
Vielleicht war das zweite
die fragile Vorstellung.
Aber das dritte
ist die Entscheidung.
Die Entscheidung,
ob man Dinge sofort sortieren muss —
oder ob man sie
für einen Moment
schweben lässt.
Der Pastor spürt es.
Er segnet nichts mehr.
Er nickt nur,
als hätte er verstanden,
dass Wunder nicht passieren —
sie werden erlaubt.
Und während du das liest,
entscheidet sich etwas.
Vielleicht ganz klein.
Vielleicht nur ein Millimeter.
Aber genau dort
wächst oder verschwindet
ein Freiburg.
Nicht auf der Karte.
Sondern in dir.
RIEFUNKE