|
Gerti Staub und der Kinderwagen-TÜV – Chaos auf vier Rädern
Am Morgen standen Professor Schwarz und Gerti Staub, inzwischen stolz schwanger, vor dem TÜV-Gebäude in Graz. Draußen wehte ein leichter Wind, aber drinnen würde es stürmen – zumindest, wenn man den Kinderwagen mit Opel-Rad mit einrechnete.
„Bereit?“ fragte Gerti, ihre Hände auf den Bauch gelegt. Professor Schwarz nickte, doch sein Gesichtsausdruck schwankte irgendwo zwischen Stolz und Panik.
„Bereit, das Unmögliche offiziell abzunehmen“, murmelte er, während Gerti den Kinderwagen langsam Richtung Prüfhalle schob.
Der TÜV-Prüfer, ein ernster Mann mittleren Alters, sah zuerst den Wagen, dann Gerti, dann das markante vierte Rad aus dem Opel. Seine Augen weiteten sich, sein Mund öffnete sich, und ein spürbares Flattern durchfuhr seinen Körper.
„Äh… Moment… Sie… das…“, stotterte er. Dann sackte er in sich zusammen, den Stift aus der Hand fallend. Ein Schwächeanfall.
„Oh nein!“, rief Gerti und stellte den Wagen ab. „Professor, das war wohl zu viel Realität auf einmal.“
Ein Kollege des Prüfers, der gerade zufällig durch die Tür kam, sah die Szene. „Was ist passiert?“
„Er… er kann nicht…“, keuchte der erste Prüfer, der sich mittlerweile auf den Boden gesetzt hatte, „…nicht mehr… Kinderwagen mit… Opel-Rad… abnehmen.“
Der Ersatz-TÜV-Prüfer trat vor, ruhig und gefasst. „Also gut. Ich bin bereit. Führen Sie mir das Fahrzeug vor.“
Gerti strahlte: „Sehr gern! Sehen Sie nur die Technik: drei alte Räder, ein Ersatzrad von einem Opel, Cyanoacrylatkleber für Stabilität – alles geprüft auf Herz, Bauch und Schwung.“
Der Kollege hob die Augenbrauen. „Herz und Bauch? Sie meinen…?“
„Genau“, unterbrach Gerti, „wir testen auch auf ergonomische Kompatibilität für die Eltern. Ich bin schwanger, das ist unser Crash-Test!“
Mit einem tiefen Atemzug begann sie, den Wagen über die Prüffläche zu schieben. Das Opel-Rad quietschte, die Vorderachse schwankte leicht, doch der Wagen blieb stabil. Die Kinderwagen-Lenkung war ein Wunder der Improvisation – die Schüler hätten es „Chaos-Ingenieurskunst“ genannt.
Der Prüfer beobachtete jede Bewegung, schwitzte, und zog langsam eine Checkliste hervor. Doch dann, als Gerti mit einem eleganten Schwung die Kurve nahm und das vierte Rad beinahe die Wand touchierte, stöhnte er leise:
„Ich… ich… kann nicht garantieren, dass so etwas unter normalen Bedingungen funktioniert…“
Professor Schwarz klopfte ihm beruhigend auf die Schulter: „Keine Sorge, wir haben alles doppelt getestet. Wir nehmen Verantwortung – und das Herz von Gerti als Garantie.“
Der Ersatz-TÜV-Prüfer, inzwischen leicht amüsiert, nickte langsam. „Na gut. Ich… gebe die vorläufige Abnahme – unter der Bedingung, dass kein weiterer Besen oder Opel-Rad in die Prüfung kommt.“
Gerti lachte, wischte sich Schweiß von der Stirn und stellte den Kinderwagen ab. Professor Schwarz atmete tief durch. „Wir haben es geschafft.“
Die beiden grinsten sich an, während der arme erste Prüfer noch immer auf dem Boden lag und versuchte, die Welt ohne Kinderwagen, Opel-Rad und Cyanoacrylatkleber zu verstehen.
Gerti flüsterte leise: „Weißt du, Schatz… vielleicht sollten wir den Wagen auch als Zeitmaschine verkaufen.“
Professor Schwarz lachte: „Oder als Chaos-Generator.“
Und so verließen sie den TÜV – mit Kinderwagen, Opel-Rad, Kleber und einem Prüfer, der wohl noch Jahre brauchen würde, um sich von diesem Anblick zu erholen.
RIEFUNKE
|