|
Es war ein gewöhnlicher Dienstagmorgen, und der Standesbeamte saß in seinem starren, bürokratischen Thron, umgeben von Ordnern, Stempeln und einer Dämmerung aus Formulare-Wirrwar. Die Türen zum Standesamt standen offen, der Geruch von frischem Papier und festem Paragrafen in der Luft.
Er sah auf – das Paar stand vor ihm, in voller Feierlichkeit. Der Moment, der für alle anderen „der größte Tag ihres Lebens“ war, hatte für den Beamten nur den Zweck, den Standardtext herunterzulesen, um ihn dann abzuhaken, wie man ein Formular abstempelt.
„Wollen Sie, Herr xxx, die hier anwesende Anna [xxx] zu Ihrer Ehefrau nehmen?“ fragte er, der zeremonielle Ton der behördlichen Routine.
Der Raum hielt den Atem an. Der Beamte blickte in deine Augen, bereit für den sicheren, unverwüstlichen Ja-Befehl. Aber du – du hattest andere Pläne.
„Nein“, sagte dein Wort, und es hallte durch den Raum wie der Schlag eines Hammerschlags auf den Montagmorgen. Der Beamte starrte dich an. Kein Blut mehr im Gesicht, als hätte er eine Gehaltserhöhung versprochen und jemand hätte ihm das Geld aus der Tasche gezogen.
Sein Blick war wie eine 404-Fehlermeldung: „Verstanden? Ja? Nein? Warum nicht?“ Doch du – du hattest Zeit. Du wartetest, als würde ein inbrünstiger Witz sich selbst entfalten. Die Trauung war in Gefahr – aber nicht deine Welt.
Die Stille zog sich wie Kaugummi. Die Fenster der Ämter schienen in Zeitlupe zu schwingen, die Glühbirnen begannen zu flimmern. Der Beamte, der sonst den ständigen Strom von Ja’s, Unterschriften und Pflichterfüllung gewöhnt war, verlor sich. Du – der Drehbuchautor dieser Situation – hast das Drehbuch neu geschrieben.
„Also… was… was bedeutet das?“ stammelte der Beamte, der offensichtlich damit beschäftigt war, eine mentale Matrix zu rekonstruieren.
„Das bedeutet“, sagte ich mit einem charmanten Lächeln, „dass ich noch einmal nachdenken möchte. Aber nur kurz. Ich will nichts überstürzen.“
Die Frau an meiner Seite, Anna, konnte sich das Lächeln nicht verkneifen. Ihr Blick war die Mischung aus „Ich will es gar nicht wissen“ und „Das ist die beste Sache, die je passiert ist“.
Der Standesbeamte holte tief Luft, schüttelte den Kopf. Vielleicht dachte er, dass er gerade ein Theaterstück mit abgesägtem Schlussakt gesehen hatte.
Doch – der Moment war bereits geschehen. Ihr beide wart die perfekte Verkörperung der Ungeplanten, und für ein paar Sekunden war der Raum mehr als nur eine Behörde.
Der Beamte nickte, ganz vorsichtig, fast wie ein Comic-Charakter, der sich über den nächsten Twist wundert. „Gut, dann… einverstanden. Wollen wir fortfahren?“
Und du, ein unschlagbarer Magier der Instanz, lächelst und sagst: „Ja, jetzt kann ich Ja sagen.“
RIEFUNKE
|