| |
Kapitel 10: Der Pastor und der Uniformierte
Es war ein ruhiger Nachmittag, als Pastor Wilhelm gerade dabei war, die nächste Stufe seiner Reise in die „wahre Politik des Friedens“ zu erklimmen. Er saß auf einer Bank im Park, umgeben von Schmetterlingen, die in bunten Wirbeln durch die Luft tanzten, als plötzlich ein Uniformierter auf ihn zutrat.
Der Mann war groß, mit einem steifen Gesichtsausdruck und einem Stift in der Hand, als ob er sich darauf vorbereitete, etwas zu notieren. Der Pastor blickte auf, seine Augen funkelten wie ein Mann, der mitten in einer philosophischen Überlegung verweilte.
„Sie sind also der Pastor Wilhelm, oder? Der Mann, der den Pazifismus predigt und der Politik in bunten Farben begegnet?“, fragte der Uniformierte mit einem Hauch von Interesse, aber auch einer Spur von Skepsis.
„Ganz genau, mein Freund“, antwortete Wilhelm mit einem geheimnisvollen Lächeln und ließ dabei die Vögel über ihm tanzen. „Ich bin der, der die Mauern des Krieges mit einem Lächeln niederreißt, der Frieden ist für mich keine Option, sondern eine notwendige Ausdehnung der Liebe, die in jedem von uns lebt.“
Der Uniformierte nickte und sah sich um, als wollte er sicherstellen, dass niemand den „seltsamen“ Dialog belauschte. „Ich habe gehört, Sie suchen nach einem neuen Weg. Einem neuen Ort des Friedens. Wie wäre es mit der Fremdenlegion?“
„Was?“ Pastor Wilhelm sah ihn mit leicht geöffnetem Mund an, als ob er gerade von einem Sternenhimmel voller Fragen getroffen worden wäre. „Die Fremdenlegion? Ein Ort der... wie sagt man, „Vergebung“?“
„Nein, kein Vergeben“, sagte der Uniformierte ruhig, „aber einen Ort des Friedens gibt es dort, wenn man sucht. Es gibt eine Kirche in der Nähe, weit weg von allem, was Sie kennen. Ein Ort der Stille, des Gebets. Die Fremdenlegion braucht Menschen wie Sie. Und ich denke, Sie würden es dort finden... die Ruhe, nach der Sie suchen. Und natürlich ist der Weg dorthin nicht leicht. Sie würden durch die Wüste marschieren, durch Schmutz, Staub und Wind. Doch in dieser Stille, dort... können Sie beten.“
Pastor Wilhelm überlegte kurz. „Beten? Sie meinen also wirklich beten, oder meinen Sie etwas anderes? Vielleicht etwas, das in der Wüste sich versteckt?“
„Nein, mein Herr. In der Kirche finden Sie den Frieden, den Sie suchen. Nur... in einer Umgebung, die alles andere als friedlich ist. Aber das ist der Test. Dort können Sie Ihrem Pazifismus Leben einhauchen, in der rauen Welt, die ihn herausfordert.“
Wilhelm schüttelte langsam den Kopf, während er auf die Kirchtürme am Horizont starrte, die in sanften Farben gegen den Abendhimmel leuchteten. „Was, wenn ich den Frieden in der Wüste finde? Was, wenn der Lärm, die Arbeit, die militärische Disziplin und die Kargheit der Erde mir mehr Frieden bringen als all das sanfte Licht und die heiligen Hallen, die ich mir vorstelle?“
„Genau das meine ich“, antwortete der Uniformierte mit einem Lächeln. „Manchmal braucht der wahre Frieden ein hartes Leben. Einen Ort, wo der Pazifismus durch den Schweiß, die Tränen und die Herausforderung selbst geprüft wird. Vielleicht ist die Fremdenlegion genau der Ort, den Sie suchen. Dort wird der Frieden mit eigener Hand geschaffen. Wie der Sand, der unter den Fingern zerrinnt – er ist immer da, doch er ist so schwer zu fassen.“
Pastor Wilhelm sah sich um. Die Bäume, die Vögel, die Sonne, die langsam hinter dem Horizont verschwand – alles schien so vertraut und doch so fremd. Die Frage, ob er diesen Ort der „echten“ Stille suchen sollte, der von der Fremdenlegion angeboten wurde, war verlockend. Er hatte von den harschen Bedingungen gehört, von den endlosen Märschen und den unsichtbaren Prüfungen, aber war das nicht die wahre Prüfung des Glaubens? Würde er in der rauen Wüste der Realität den Frieden finden, den er in seinem ruhigen Leben gesucht hatte?
„Und die Kirche dort...?“ fragte er schließlich.
„Sie steht still“, sagte der Uniformierte. „Der Wind weht, die Zeit vergeht, aber die Kirche bleibt, wie der Frieden, der sich nur zeigt, wenn man ihn wirklich sucht. Aber denken Sie daran, Pastor, das Leben dort ist kein Spaziergang. Sie müssen das nehmen, was kommt. Und vielleicht – nur vielleicht – werden Sie am Ende genau den Frieden finden, den Sie immer gesucht haben.“
Wilhelm stand auf. „Vielleicht sollte ich das tatsächlich in Betracht ziehen“, murmelte er, als der letzte Sonnenstrahl hinter den Hügeln verschwand. „Der Weg des Pazifismus mag in den sanften Worten des Gebets beginnen, aber vielleicht führt er wirklich durch den Wüstensand, zwischen Staub und Stille. Ich werde darüber nachdenken.“
Der Uniformierte nickte zufrieden und verließ den Park. Pastor Wilhelm blieb zurück, um über diese neue Möglichkeit nachzudenken, die ihm wie ein mysteriöser Schlüssel zum nächsten Kapitel seiner Reise erschien.
„Ein Pazifist in der Fremdenlegion... Wie absurd. Aber auch faszinierend“, flüsterte er zu sich selbst und sah auf das sanfte Flimmern der Sterne, die jetzt den Himmel erleuchteten.
RIEFUNKE
|
|