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Kapitel 12: Pastor Wilhelm in Südfrankreich – Neuer Name, neue Aufgaben
Pastor Wilhelm war angekommen. Die Sonne Südfrankreichs tauchte die Hügel in Gold, die Zypressen wiegten sich im Wind, und der Duft von Lavendel mischte sich mit dem salzigen Hauch des nahen Meeres. Doch er war nicht mehr einfach Pastor Wilhelm – nein, hier in der Fremdenlegion hatte er einen neuen Namen bekommen: Capitaine Pax. Ein Name, der Frieden bedeutete, Verantwortung versprach und ihn zugleich wie ein feines Tuch umhüllte, das ihn von seiner alten Welt trennte.
Seine Aufgabe war nun klar: das Seelenheil der Legionäre. Jeder Soldat, der von Marsch, Drill und Hitze erschöpft war, konnte zu Capitaine Pax kommen. Er hörte zu, sprach Worte des Friedens, verteilte Tropfen der Ruhe und erinnerte die Männer daran, dass hinter jedem Gewehr auch ein Herz schlug, das Schutz und Verständnis brauchte.
Glücklicherweise hatte die Legion Verständnis für seine Einschränkungen. Wilhelm litt unter Rheuma, und die harten Übungseinheiten im Gelände waren tabu für ihn. Stattdessen widmete er sich den spirituellen Übungen, den Gesprächen am Lagerfeuer und dem Studium alter Texte über Pazifismus, Meditation und manchmal auch über die merkwürdigen Tropfenworte, die er in seiner alten Heimat gelernt hatte.
Doch er war nicht allein. Ihm wurde Madame Colette zur Seite gestellt, eine resolute Haushälterin mit den Händen einer Künstlerin und dem Herzen einer Heilerin. Sie konnte nicht nur ein Lager sauber halten, sondern auch Sauerbraten zubereiten, der in Rotwein und Rosinen so langsam gegart war, dass selbst die harten Legionäre schmolzen, sobald der Duft durch die Kasernen zog.
„Capitaine Pax“, sagte sie bei der Übergabe der ersten Mahlzeit, „Sie können hier das Seelenheil retten, aber niemand wird überleben ohne mein Essen.“
Wilhelm nickte, lächelte schwach und dachte an die Ironie: Er war Pazifist geworden, um den Frieden in die Welt zu tragen, und nun rettete er Seelen inmitten von Uniformen, Marschbefehlen und Kanonendonnergeräuschen – während seine größte Sorge war, dass Madame Colette den Rotwein zu großzügig verwendete.
Am Abend, als die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand, saß Capitaine Pax in seinem neuen Quartier. Die Legionäre waren müde, die Luft duftete nach Rosinen und Gewürzen, und der Wind trug das leise Murmeln einer Kirche heran, die nicht weit entfernt stand.
„Vielleicht ist das hier meine eigentliche Mission“, murmelte er. „Nicht die Welt zu retten, nicht Kerzen zu bewachen, sondern einfach den Frieden in kleine Portionen zu verteilen – und Sauerbraten dazu.“
Und so begann ein neuer Abschnitt: ein Pazifist in der Fremdenlegion, geschützt vor den Marschbefehlen durch Rheuma, gestärkt durch Colette’s kulinarische Wunder, und umgeben von Männern, deren Herzen er langsam zu erreichen begann.
Die Wüste lehrte ihn Geduld, die Sonne Gelassenheit, und der Duft von Rotwein und Rosinen eine neue Form von Glück – ruhig, sanft, aber unerschütterlich.
RIEFUNKE
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