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Goethe im Labor der Gravitation
Hugo und Lisel summen auf ihren Waagen, 0,1 µg empfindlich, Wasser exakt 12 mg. Die Gravitation – Frau G. – zieht streng, als hätte sie jeden Fehler bereits persönlich gelesen.
Goethe tritt ein, unsichtbar, trägt einen Federhut und einen Hauch von Ironie. Er schaut die Waagen an und murmelt:
„O Hugo, Lisel… wer misst, misst nicht nur Mikrogramme, sondern die Eitelkeiten des Alls. Seht, wie die Gravitation sich aufregt – sie ist ein Mensch, nur größer!“
Die Waagen zucken, Staubpartikel tanzen wie Verse über einem leeren Blatt. Hugo blinkt. Lisel flimmert. Goethe lächelt verschmitzt:
„Manchmal genügt ein Tropfen Herzprall, um die Ordnung zu stören. Und manchmal… ist das Chaos das lehrreichste Gedicht.“
Frau G. zischt. Hugo quietscht. Lisel summt. Goethe nickt:
„Und wer meint, man könne die Welt mit Präzision bezwingen, der hat noch nie ein Glas Wasser 12 mg schwer gewogen. Die Wahrheit, meine Freunde, wiegt leichter – und doch schwerer als ein Mikrogramm.“
Ein Tropfen Traumglühen fällt. Staubpartikel formen kleine Reime. Hugo, Lisel und die Gravitation schweigen. Goethe verlässt den Raum, ein Lächeln wie ein Vers im Schatten:
„Humor ist die Gravitation der Seele – selbst die Waagen können ihn spüren.“
RIEFUNKE
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