Drei Tropfen
Drei Tropfen gehen spazieren.
Blau.
Gelb.
Rot.
Sie lösen sich vom Blatt
wie Gedanken,
die niemand festhalten wollte.
Blau zieht eine kühle Spur
über das Grün –
ein stilles Flimmern.
Gelb folgt,
warm wie ein leiser Morgen,
und hinterlässt eine goldene Schneckenschrift
aus Licht.
Rot kommt zuletzt.
Langsam.
Bestimmt.
Seine Spur ist dichter,
wie ein Herz,
das nicht flüstern kann.
Sie berühren sich.
Blau und Gelb
werden zu wanderndem Grün.
Gelb und Rot
zu fließendem Orange.
Rot und Blau
zu einem dunklen Violett,
das kurz innehält.
Ihre Schleimspuren
verweben sich,
ziehen Linien
über das Blatt,
als hätten Schnecken gelernt,
mit Farbe zu denken.
Am Ende des Spaziergangs
gibt es keine drei Tropfen mehr.
Nur ein Bild.
Noch feucht.
Noch lebendig.